Geschichte der Türkei vom 3.Jh.v.Chr. bis heute

Başlatan Nazire, Şubat 07, 2007, 11:52:20 ÖS

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Die eigentliche Heimat der Türken war Mittelasien. Im 3.Jh.v.Chr. lebten die ersten Türken in einem sehr grossen Land, auch bekannt als "das grosse Hunnenreich". Die ständigen Auseinandersetzungen und Kriege mit China war der Auslöser dafür, dass sie immer weiter nach Westen zogen. Es spielten auch die schlechten klimatischen Bedingungen und dauernde Naturkatastrophen eine Rolle. Die Menschen bewegten sich bis weit nach Mitteleuropa.


Auf dem grossen Wanderweg liessen sich manche Gruppen an günstigen Plätzen nieder. Heute sagt man, das waren die Urväter der Türkmenischen Republiken, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegründet wurden. Seldschuken und Osmanen wurden in Anatolien ansässig. Eines der grössten Reiche der Weltgeschichte war das "Osmanische Reich".


Die Osmanen hatten ein Gebiet unter ihrer Regierung, das seine Grenzen von Mitteleuropa, über die Küste Nordafrikas, einschliesslich Ägyptens, bis nach Mittelasien hatte. Aus der Geschichte ist die "Seidenstrasse" ein Begriff. Dieser lange Handelsweg führte von China bis nach Europa, komplett durch das Osmanische Reich. Überwiegend wurden Gewürze und Seide nach Europa gebracht. Die Osmanen waren an jedem Transport durch ihr Reich mit Wegezoll und Transitabgaben beteiligt. Als im Laufe der Zeit dann immer häufiger die Lieferungen per Schiff durchgeführt wurden, verlor die Seidenstrasse langsam an Bedeutung. Das Osmanische Reich erlebte seinen Höhepunkt im 16.Jh. und wurde dann immer schwächer.


Ein wesentlicher Grund war dafür, dass ein Sultanat jedes mal vom Vater auf den Sohn übertragen wurde. Es führte mit der Zeit dazu, dass immer mehr unfähige oder kranke Sultane, oder sogar Kinder auf den Thron kamen. Die Sultane lebten in prunkvollen Palästen, hatten mehrere Ehefrauen und viele Kinder. Sie lebten alle im Harem. Gleichzeitig waren die Sultane auch "Kalifen" und somit die religiösen Führer des Landes. Deswegen kamen beim Verwalten des Reiches nur religiöse Gesetze zur Anwendung.


Schliesslich führten auch der Patriotismus der vielen verschiedenen Rassen und die unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten zur weiteren Schwächung des Osmanischen Reiches. Das Osmanische Reich dauerte bis 1918 und wurde zusammen mit Deutschland zum Ende des 1. Weltkrieges besiegt. Der regierende Sultan akzeptierte alle Forderungen der Siegermächte.


Durch die Tendenzen des Sultans, von Ausländern das Land teilen zu lassen, entstand ein Mann namens "Mustafa Kemal", der dann die Türkische Nation führte. Er ging in die Geschichte ein als "Atatürk". Der Offizier Atatürk führte einen Befreiungskampf um das Land zu retten. Das Osmanische Reich wurde beendet und auf dem gleichen Territorium gründete er am 29. Oktober 1923 die Republik Türkei.


Atatürk war nicht nur Führer im Befreiungskampf, er führte auch die grosse Revolution in der neuen Republik durch.


Die staatlichen und religiösen Angelegenheiten wurden getrennt, der Laizismus eingeführt. Das arabische Alphabet musste dem Lateinischen weichen. Internationale Mass-, Gewichts- und Zeiteinheiten wurden eingeführt. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sowie die gemeinsame Schule zwischen Jungen und Mädchen fanden hier ihren Anfang. Die Frauen mussten von nun an keine Kopftücher und Schleier mehr tragen, auch der Fez des Mannes wurde verbannt. Schliesslich wurde noch das Schweizer Zivilrecht übernommen und die Erbgleichheit zwischen Töchtern und Söhnen hergestellt.


Die heutige Türkei hat Atatürk sehr viel zu verdanken. Noch viele folgende Generationen werden diesen grossen Mann sehr verehren. Das Atatürk Mausoleum in Ankara ist immer einen Besuch wert. Erst hier kann man verstehen, warum dieser Mann für die Türkei so wichtig war.

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'In jeder Ära sollten wir die Ausbreitung und die Entwicklung der türkischen Kultur zum Grundpfeiler der Republik machen'. Unter den prominenten Staatsmännern des 20. Jahrhunderts haben nur wenige die herausragende Bedeutung der Kultur derart betont wie Mustafa Kemal Atatürk, der Begründer der Türkischen Republik.Seine Sicht der Kultur umfasste das schöpferische Vermächtnis der Nation ebenso wie die herausragenden Werte der Weltzivilisation, die den persönlichen und universellen Humanismus herausbildeten.


'Die Kultur' sagte er, „ist ein grundlegendes Element für das Dasein als menschenwürdige Person.' Er beschrieb die ideologische Kraft der Türkei als 'Schöpfung des Patriotismus verbunden mit einem edlen humanistischen Ideal.'

Um die beste Synthese hervorzubringen unterstrich Atatürk die Notwendigkeit, alle lebensfähigen Elemente des nationalen Erbes zu benutzen, einschließlich der alten Kulturen, ebenso der Geisteswissenschaften und Technologie der Zivilisation der gesamten Welt, gestern und heute. Er förderte die Erforschung der alten Zivilisationen Anatoliens, einschließlich der Hethiter, der Phryger und Lyder und der anderen. Die vor-islamische Kultur der Türkei wurde Gegenstand umfassender Forschungen, welche nachwiesen, dass die Türken lange vor den seldschukischen und osmanischen Reichen eine eigene Zivilisation hervorgebracht hatten. Atatürk hob die Volkskunst und das Brauchtum des Landes als Quelle türkischer Kreativität hervor.

Die Entwicklung der Malerei, Bildhauerei und der schönen Künste war von den Osmanen behindert worden, welche die Darstellung des Menschen als Götzendienst verpönten. Während Atatürks Präsidentschaft erlebten diese Künste eine Blüte. Museen wurden eröffnet und auch die Architektur erlangte neue Kraft. Klassische westliche Musik, Oper und Ballett nahmen einen beeindruckenden Aufschwung. Mehrere hundert „Volkshäuser“ und „Volksräume“ in der ganzen Türkei boten der Bevölkerung und der Jugend ein breites Spektrum von künstlerischen Aktivitäten, Sportlichen und kulturellen Ereignissen. Die Veröffentlichung von Büchern und Zeitschriften boomte. Die Filmindustrie wuchs. In allen Bereichen des kulturellen Lebens bewirkte der Geist Atatürks ein Aufwallen.

Die Türkei Atatürks lebt von diesen Idealen - ein Land reich an eigener nationaler Kultur, offen für das Erbe der Weltzivilisation und eingebettet in die Errungenschaften des modernen technologischen Zeitalters.

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Eine Neue Welt für die Türken: Anatolien

Anatolien war im Laufe der Geschichte der Entstehungsort für viele Zivilisationen. Obwohl es nicht so fortgeschritten wie Ägypten oder Mesopotamien war, waren die Hatti, die eine von Präfixen durchzogene Sprache verwendeten, nichtsdestotrotz eine der fortgeschritteneren Gesellschaften ihres Zeitalters (3000 bis 2000 v. Chr.) Die im Ankara-Museum für Anatolische Zivilisationen ausgestellten Exponate stellen neben dem Urschatz des Britischen Museums die hervorragendste Bronzezeit-Sammlung der Welt dar. Die Ankara-Sammlung, die auf die Periode zwischen 2000 - 1900 v. Chr. datiert ist, kommt aus Tumuli in Alacahöyük, Horoztepe und Mahmatlar und umfasst Artefakte in GoldSilber, Bronze und  Keramik.

Ein Vorposten gegen die Invasion aus dem Balkan: Troja

Während der Zeit der Hatti repräsentierten Troja I (3000-2500) und Troja II (2500-2200) das Bronze-Zeitalter im Nordwesten Anatoliens, hier handelt es sich sozusagen um Çanakkale. Beide fühlten sich dem Bereich der Ägäischen Kultur zugehörig, und Troja II hatte ein besonders glänzendes Zeitalter. Die goldenen Schiffe, die von Heinrich Schliemann ausgegraben wurden  und im Berliner Völkerkunde-Museum ausgestellt wurden, sind leider während des II. Weltkrieges verschwunden. Die Reichtümer von Troja werden nun durch den Goldschmuck, der im Istanbuler Museum für Archäologie ausgestellt ist, repräsentiert. Troja III-V (2200-1800 v Chr.) ist eine Fortsetzung von Troja II.


Migration der indoeuropäischen Völker nach Anatolien

Die Fürstentümer der Hatti-Hethiter


Die indoeuropäischen Migrationen, die über ein weites Territorium stattfanden, das sich von Westeuropa bis Indien ausdehnte, brachten einige Völker über den Kaukasus nach Anatolien. Das Volk der Nesi ließ sich in Zentralanatolien nieder, das Volk der Pala in Paphlygonien und die Luvier in Südanatolien. Im Laufe dieser Migrationen eroberten die neu Angekommenen nach und nach das Fürstentum der Hatti, um dann zuerst das alte Fürstentum der Hethiter (1660-1460 v Chr.) und dann das Große Königreich der Hethiter (1460-1190 v Chr.) zu gründen.

Das Reich der Hethiter (1660-1190 v Chr.)
Die Hethiter gründeten einen föderativen Feudalstaat und während ihrer letzten beiden Jahrhunderte stellten sie eine der beiden Supermächte des Zeitalters dar, die andere Supermacht war in Ägypten.

Als ursprüngliche Indoeuropäer, erkannten die Hethiter die Gleichheit zwischen Männern und Frauenan und in der Tat umfasst ihr Gesetz sogar Rechte für Sklaven. Kein anderes Rechtssystem in der Welt war so fortgeschritten. Obwohl die Monarchie vom Vater auf den Sohn überging, war dies ein Königreich auf der Basis der Idee "primus inter pares", (Erster unter Ranggleichen), der Herrscher musste viele Angelegenheiten vor den Senat bringen, der aus Aristokraten, die als Pankus-Klasse bekannt waren, bestand.

Zu einer Zeit im Nahen Osten, als das Auspeitschen und Aufspießen von Feinden an der Tagesordnung war, als Köpfe und Hände abgeschnitten und dann Pyramiden aus ihnen gemacht wurden, waren die Hethiter erstaunlicherweise human, fast wie Bewohner der heutigen zivilisierten Staaten.

Die Hethiter nahmen die Religion, Mythologie, Sprache und Sitten der Hatti an sowie auch ihre Namen für Plätze, Gebirge, Flüsse und Personen. Da die Mesopotamier Anatolien "Das Land der Hatti" nannten, wurde den Neuankömmlingen fälschlicherweise der Name "Hethiter" gegeben.

Die hethitische Architektur hat ihren ganz eigenen Charakter und wies die mächtigsten Stadtmauern des Nahen Ostens im zweiten Jahrtausend v. Chr. auf. Desweiteren erbauten sie die großartigsten Tempel und entwickelten eine gegenständliche Kunst, die in Anatolien weit verbreitet war.

Das Ilium von Homers Ilias

Troya VI (1800-1275 v. Chr.)
Als die Hethiter sich in Zentralanatolien niederließen, erblühte ein anderes Volk in der Region von Çanakkale bei Troja VI, welche heute eine der schönsten Ruinen in der Türkei beherbergt, mit einer bis zu vier Metern Höhe erhaltenen Stadtmauer und einer Zahl von gut erhaltenen Megaron-Häusern.

Das Ilium von König Priamos in Homers Erzählung entspricht der Schicht VIh (1325 - 1275 v. Chr.) und wurde bei einem Erdbeben zerstört, während die Stadt, die von den Achäern erobert wurde, Troja VIIe (1275 - 1240/1200 v. Chr.) war. Als Troja VIh bei einem Erdbeben im Jahre 1275 v. Chr. zerstört wurde, gefolgt von einer Plünderung von Troja VIIa im Jahre 1240/1200, wurde ein standhafter Vorposten gegen Einfälle aus dem Nordwesten, der 2000 Jahre dort gestanden hatte, beseitigt. In der Tat ist die handgearbeitete Töpferware, die - wie die Buckelkeramik-Töpfe (VIIb2 (1190 - 110) - in Troja VIIb2 (1240 - 1190 v. Chr.)  entdeckt wurde, balkanischen Ursprungs. Nachdem Troja im Jahre 1200 erobert wurde, haben die Balkanvölker weiterhin in verschiedenen Wellen Anatolien besetzt; um 1190 zerstörten sie die hethitische Hauptstadt Hattuşaş und drangen südlich bis zur assyrischen Grenze vor.

Zivilisationen, die die Hellener beeinflussten

Das Urartu-Königreich (860-580 v. Chr.) und die Phrygier (750-300 v. Chr.)
In den Regionen Südost- und Ostanatoliens, die nicht sehr von den Migrationen der Balkan-Völker betroffen zu sein schienen, haben das späte Hethitische Fürstentum (1200 - 700 v. Chr.) sowie das Urartu-Königreich (860-580 v. Chr.) ein hohes Kulturniveau hervorgebracht.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. kamen die Hellenen mit dem reichen zweitausend Jahre alten Erbe von Mesopotamien auf Vermittlung des in Südostanatolien gelegenen, späten hethitischen Fürstentums in Kontakt. Die Hellenen eigneten sich das phönizische Alphabet von Al Mina, die Mythologie und gegenständliche Kunst, die wir bei Homer und Hesiod sehen, an, und zwar von solch alten späten hethitischen Städten wie Kargamish und Malatya. Der Helm eines Hellenen im 8. Jahrhundert zusammen mit seinem Schild, verschiedenen Gürteln und Haartrachten, waren wie diejenigen der Hethiter. Die hellenische gegenständliche und dekorative Kunst des 8. und 7. Jahrhunderts folgte dem Stil der Hethiter und deren Ikonographie.

Obwohl die Urartus in ihrer Kunst stark vom Beispiel der Assyrer und späten Hethiter beeinflusst waren, produzierten sie hervorragende Artefakte, die sie nach Hellas und in etruskische Städte exportierten.

Die Phrygier befanden sich unter den Balkan-Völkern, die ca. um 1200 v. Chr. nach Anatolien kamen, aber sie erschienen erstmals auf der politischen Szene nach dem Jahr 750 v. Chr. Die hellenische Welt kannte den phrygischen König Midas als legendäre Figur mit langen Ohren, die alles, was er berührte, zu Gold machten. Die Assyrer, andererseits, erwähnen ihn als König in den Jahren 717, 715, 712 und 709 v. Chr. Obwohl das mächtige Königreich, das Midas gründete, von den Cymmerern im ersten Viertel des 7. Jahrhunderts hinweggefegt wurde, konnten verstreute Gruppen der Phrygier ihre Zivilisation in Zentralanatolien durch das 6. Jahrhundert v. Chr. hindurch weiterentwickeln. Schätze in der Nähe von Eskisehir und Afyon sind relativ gut erhalten und stellen einige der besten Arbeiten ihres Jahrhunderts dar.





Drei faszinierene anatolische Völker

Die Lydier, Karier und Lykier


Die Lydier und Lykier haben Sprachen gesprochen, die grundsätzlich zu den indoeuropäischen Sprachen gehören, aber beide Sprachen hatten sich vor der hethitischen und hellenischen Periode nicht-indoeuropäische Elemente angeeignet. Beide Alphabete ähnelten stark dem der Hellenen. Während der Regierung des Creosus, der für seinen Wohlstand (575 - 545 v. Chr.) bekannt war, war die lydische Hauptstadt der Sarden eine der glanzvollsten Städte der Alten Welt.

Obwohl das karische Alphabet dem der Lykier ähnelte, konnte das Entstehungsdatum der karischen Sprache nicht entziffert werden. Herodotus sagte, dass gemäß einer kretischen Legende die Karier Lelegen genannt wurden und während der Zeit des Minoa-Königreiches, das zeitlich in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. liegt, auf einer Insel lebten. Die Karier selbst behaupteten jedenfalls gebürtige Anatolier zu sein, die mit den Lydiern und Mysiern verwandt sind.

Die archäologischen Funde, die sich durch alle drei Kulturen ziehen, zeigen einen starken hellenischen Einfluss. Von den dreien haben die Lykier am besten ihren eigenen Charakter bewahrt. Ihre Monumente, die aus Felsen herausgeschlagen wurden, gehören zu den interessantesten Kunstwerken im alten Anatolien.

Die ionische Zivilisation (1050 - 1030 v. Chr.)
Nach der Zerstörung von Troja bauten die Hellener Städte entlang der westanatolischen Küste auf. Im 9. Jh. v. Chr. schufen sie das erste Meisterwerk westlicher Zivilisation, die Ilias von Homer.

Während der Epoche der Naturphilosophen, d.h. zwischen 600 - 545 v. Chr., hatte die anatolische Kultur eine Glanzzeit erreicht, die in der damaligen Welt nicht ihresgleichen hatte und die auch über diejenige von Ägypten und Mesopotamien hinausging. Die Naturphilosophen lehnten die Idee der Djinns, Feen und mythologischen Ursachen ab und erforschten die Naturphänomene mit einem freien Geist. Thales, der Sohn des Kariers Hexamyes, der damals die selbe Methode benutzte, wie wir sie heute benutzen würden, sagte eine Sonnenfinsternis für den 28. Mai im Jahre 585 v. Chr. voraus. Dies war die erste Voraussage eines Naturereignisses in der Geschichte.

Während der Besetzung der Perser (545-333 v. Chr. ) hat Anatolien seinen Führungsanspruch verloren, gewann diesen jedoch im hellenistischen Zeitalter (333-30 v. Chr.) wieder.

 

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Junge Türkei, altes Anatolien
Die noch junge türkische Republik wurde erst mit der Proklamation am 29. Oktober 1923 ins Leben gerufen. Doch sie gründet auf einer Besiedlungsgeschichte Anatoliens, die bis in das Jahr 10.000 v. Chr. nachgewiesen ist. So ist es auch noch heute faszinierend, das Entstehen, die Blüte und den Untergang von Reichen und Kulturen auf türkischem Boden nachzuvollziehen.

Die Hethiter in Hattuşaş, die Bewohner von Troja, die Römer in Asia, die Kaiser von Byzanz und die Sultane des Osmanischen Reiches sind nur einige klangvolle Namen und geschichtliche Stationen. Da ist es erfreulich, daß viele Ausgrabungen und intakte Bauwerke auch heute noch einen Eindruck der vergangenen Kulturen für den interessierten Türkeibesucher vermitteln. Zugleich vermittelt ein geschichtlicher Überblick ein besseres Verständnis für das Leben der Menschen in der Gegenwart.

Erste Dörfer, frühe Reiche
Die Besiedlung der Türkei ist erstmals im Jahr 10.000 v. Chr. nachgewiesen. Die Spuren der ältesten Häuser auf türkischem Boden wurden in Çatalhöyük gefunden und gehen wohl bis auf das Jahr 7.000 v. Chr.zurück. Ab dem Jahr 3.000 v. Chr. begannen sich frühe Hochkulturen zu entwickeln. Hattier, Hethiter, Mitannier, Assyrer, antike Griechen, sie alle haben in Anatolien gewirkt.

Die sogenannten Seevölker, die wohl am Untergang der Hethiter beteiligt waren, der Kampf um Troja und der Niedergang der mykenischen Kultur haben dann um das Jahr 1.200 v. Chr. eine völlige Neuordnung der Machtverhältnisse in Anatolien mit sich gebracht und regelrechte Völkerwanderungen ausgelöst. Aus dieser Zeit liegen keine Zeugnisse einer Hochkultur auf dem Boden der heutigen Türkei vor.

Ab etwa 900 v. Chr. tauchen dann mit den Urarträern und Phrygern, ab 700 v. Chr. mit den Kimmeriern und Lydern erstmals wieder Völker mit größerem Einfluss auf. Ein neuer Abschnitt beginnt mit der zunehmenden Ausbreitung der Perser. Dies führt dazu, daß ab 500 v. Chr. die Kämpfe zwischen antiken Griechen und Persern das Geschehen bestimmen. Erst Alexander der Große kann den Kampf endgültig zugunsten der Makedonen entscheiden. Er erobert Anatolien.

Doch nach dem Tod Alexanders im Jahr 323 v. Chr. können sich seine Nachfolger nicht einigen. Die Diadochenreiche entstehen. Die Seleukiden in weiten Teilen Anatoliens bis an den Indus, einen Fluss im heutigen Pakistan, die Ptolemäer in Ägypten und an der anatolischen Südküste, das makedonische Reich im Westen und das selbständige Pergamon kämpfen um die Vorherrschaft.

Ab 192 v. Chr. tritt dann das im Westen zur Blüte gelangte Rom auf der Seite Pergamons in den Kampf gegen die Seleukiden ein. 123 v. Chr. wird Westanatolien als Asia römisch. Durch Siege unter Caeser und Octavian kommen weitere Provinzen auf anatolischem Boden hinzu. Um 50 n. Chr. verbreitet Paulus durch mehrere Missionsreisen die christliche Lehre. 250 finden die ersten Christenverfolgungen durch die Römer in Kleinasien statt.

Das Byzantinische Reich
330 wird Byzanz,(Istanbul) unter Konstantin I. neue Hauptstadt des Römischen Reiches. Die Trennung in das West- und das Oströmische Reich ist eingeleitet. Byzanz erlebt in den folgenden Jahrhunderten einen glanzvollen Aufstieg. Doch ab 600 nehmen die Kämpfe mit Persern, später mit Arabern und Türken zu. Im Jahr 1040 etablieren sich die Seldschuken in Anatolien und bedrohen das Byzantinische Reich.

Im vierten Kreuzzug 1204 wird Byzanz erobert und geplündert. Das neu eingerichtete lateinische Kaiserreich und das Kaiserreich von Nikaia liegen im Streit um die Herrschaft in Konstantinopel. Um 1230 erreicht die seldschukische Herrschaft ihren Höhepunkt. Danach werden die Seldschuken zunehmend durch mongolische Truppen der II-Chan-Dynastie vertrieben, was für das Byzantinische Reich einen gewissen Aufschub mit sich bringt.

Das Osmanische Reich
Aus den Resten des zerfallenen Seldschukenreiches beginnt um 1290 der Aufstieg des Hauses Osman in der Nähe von Bursa. Der Sieg des Mongolen Timur Lenk gegen die Osmanen im Jahr 1402 bei Ankara unterbricht den Ausbau des Reiches. Eine Zeit innerosmanischer Kämpfe und umfangreicher Gebietsverluste folgt. Erst nach mehr als zehn Jahren wird die Lage wieder stabilisiert, und die Osmanen machen sich an die Rückeroberung der verlorengegangenen Gebiete.

Im Jahr 1453 beenden die Osmanen dann im Westen die byzantinische Ära duch die Eroberung Konstantinopels. In den folgenden Jahren gewinnt das Osmanische Reich weiter umfangreiche Gebiete hinzu. Der Höhepunkt wird 1683 erreicht. Im Westen stehen die Osmanen vor Wien, sie beherrschen direkt oder durch Vasallenstaaten den Schwarzmeerraum. Außerdem gelangen sie bis ans Kaspische Meer im Osten und sie gebieten über Ägypten und wesentliche Bereiche Arabiens im Süden und Südosten.

Doch mit der vergeblichen Belagerung Wiens beginnt der Niedergang. In der Folge gehen die meisten Feldzüge verloren. Innenpolitische Schwierigkeiten, die eine sich verschlechternde Finanzsituation mit sich bringen, verschärfen die Situation. Durch den zunehmenden militärischen Druck aus dem Westen und von Russland sowie die entstehenden Nationalstaaten auf dem Balkan verliert das Osmanische Reich im 18. und 19. Jahrhundert zunehmend an Einfluss und Fläche.

Oppositionelle Gruppen im Inneren erstarken und führen ab 1870 zu einer Schwächung der Sultane. Den Ersten Weltkrieg verliert das Osmanische Reich als Verbündeter der Mittelmächte. Ein großer Teil der Gebiete, die zur heutigen Türkei gehören, sind besetzt oder vertraglich gebunden. Zu diesem Zeitpunkt tritt Mustafa Kemal auf den Plan, der die Grundpfeiler der heutigen Türkei gesetzt hat.

 

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Die Republik Türkei, die im Jahre 1923 gegründet wurde, hat ihre Wurzeln in zwei historischen Ursprüngen weit in den Tiefen der Vergangenheit. Einer dieser von der modernen Türkei geerbten Ressourcen ist die erfolgreiche und glänzende Geschichte der Türken über einen Zeitraum von mehr als 4.000 Jahren. Der andere ist die Tatsache, daß Türken seit dem 11. Jahrhundert in Anatolien wohnhaft sind.

The Hunnen

Der erste in der Geschichte erwähnte türkische Stamm ist der der Hunnen. Deutliche Dokumente über die Hunnen datieren ihr Erscheinen auf das 8. Jahrhundert v.Chr. Chinesische Quellen bezeichnen die Hunnen als Hiung-nu und einige Hunnen wanderten rechtzeitig in den Westen ab.

Die Gökturken

Von Bumin Khan im Jahre 552 n.Chr. gegründet, engagierten sich die Gokturken in weitverbreiteten diplomatischen Aktivitäten. Die berühmten Orhun-Epitaphen aus dieser Periode setzen sich aus den Grabsteininschriften von Tonyukuk (d.720), Kültigin (d.731) und Bilge Kagan (d.734) zusammen.

Die Uyguren

Die Herrschaft der Gokturken wurde im Jahre 745 durch die Uyguren beendet, die demselben ethnischen Stamm entsprangen.

Auf diese Weise zerstreuten sich all jene Türken, die unter dem Banner der Gökturken zusammenströmten, unter dem der Uyguren. Das landwirtschaftliche Becken, in dem sie lebten, wurde als Turkistan bekannt. Im Jahre 1229 beendeten die Mongolen die Herrschaft der Uyguren; jedoch wurden die Uyguren ihre kulturellen und politischen Mentoren.

Die Türken und der Islam

Kontakte zwischen Türken und Moslems begannen zu Anfang des 8. Jahrhunderts und einige Türken fingen an, den Islam zu bevorzugen. Jedoch beschränkte die pro-arabische Politik der Omayaden (661-750 n.Chr.) diese Beziehungen ein wenig. Später nahmen viele moslemische Türken Ämter in der Abbside-Regierung an und deswegen verbreitete sich großes Interesse an der islamischen Welt unter den Türken jenseits des Flusses Ceyhun. Handelskarawanen spielten auch eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Islams in die Steppen Zentralasiens. Die Türken wurden mit dem 10. Jahrhundert ganz islamisiert. Daraus folgte das Erlangen einer politischen Einheit. Diesen Entwicklungen folgend wurde der erste moslemische türkische Staat von den Karahanen gegründet.

The Karahanen

Die Karahanen regierten zwischen 990-1212 in Turkistan und Maveraünnehir. Die Herrschaft der Karahanen ist vom Gesichtspunkt der türkischen Kultur und Kunstgeschichte besonders bedeutsam. In dieser Zeit wurden Moscheen, Schulen, Brücken und Karawansereien in den Städten errichtet. Buhara und Samarkand wurden zu Bildungszentren. In dieser Zeit fand auch die türkische Sprache Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Unter den wichtigsten Arbeiten dieser Periode befindet sich Kutadgu Bilik (zu übersetzen mit: "Das glücklichmachende Wissen"). Es wurde in den Jahren 1069-1070 von Yusuf Has Hacib geschrieben.

The Ghaznaviden

Der Staat Ghaznavi wurde im Jahre 963 vom türkischen Herrscher Sevuktekin gegründet, war einer der ersten moslemischen türkischen Staaten und arbeitete unnachgiebig an der Expansion des Islams in Indien. Die Ghaznaviden brachen schließlich im Jahre 1186 auseinander und wurden in die Oguz integriert. Der türkische Gelehrte Ebu Reyhan el-Beyruni machte diese Periode zu einer der wichtigen innerhalb der islamischen Kulturgeschichte und schrieb in dieser Zeit (1009) durch den Poeten Firdevsi das berühmte Werk Tehname.

The Seldschuken

Die Oguz, die den Staat Ghaznavid zerstörten, schafften es, Anatolien, den südlichen Teil des Kaukasus, Aserbaidschan und den Norden des Irans unter türkische Herrschaft zu bringen. Zuerst bildeten die Oguz im 6. Jahrhundert das Göktürk-Reich. Mit der Ausbreitung des Islams unter den Türken, wurden die Oguz von den Türken "Turkmenen" genannt.

Tugrul Bey und Çagri (Çakir) Bey waren Enkel der Seldschuken, deren Name von der Seldschuken-Dynastie adoptiert wurde. Zu ihrer Zeit unterwarfen sie und die Oguz, die historisch als Seldschuken bekannt wurden, Horasan, schlugen den ghaznavidischen Herrscher Mesud in der Schlacht bei Dandanakan und gründeten im Jahre 1040 das große Seldschukenreich.

Im Jahre 1071 kommandierte Alp Arslan (1063-1072) die Schlacht von Malazgirt. Nachdem er die Streitkräfte des Byzantinischen Eroberers in dieser Schlacht geschlagen hatte, öffneten sich die anatolischen Türen den moslemischen Türken.

Das Jahr 1071 wird als Anfang des türkischen und moslemischen Anatoliens betrachtet. Ab diesem Zeitpunkt eroberten die Türken ganz Anatolien und gründeten den anatolischen Seldschukenstaat als Teil des großen Seldschukenreiches.

Die ersten Lehreinrichtungen, moslemische Theologiehochschulen, wurden in Anatolia während der Zeit Kiliç Arslans (1153-1192) gebildet, die eine in Konya, die andere in Aksaray. Der Gründung dieser beiden Hochschulen folgend wurden weitere Hochschulen in Sircali in Konya (1242-1243), Karatay (1252), Ince Minareli (1251-1253), Atabekkiye (nach 1251-1268), Gökmedrese in Sivas (1271), Buruciye (1271-1272), Çifte Minareli (1271) und Cacoglu in Kirsehir (1272) gegründet.

Die Seldschuken maßen auch den medizinischen Wissenschaften große Bedeutung bei. So wurden in nahezu allen ihren Städten medizinische Institutionen, die Darush-Shifa, Darul-Afiye und Darus-Sihna genannt wurden, und Krankenhäuser errichtet. Die bedeutsamsten medizinischen Behandlungszentren waren Gevher Nesibe in Kayseri (1205), Izzettin I Keykavus in Sivas (1217), Torumtay in Amasya (1266), Muinuddin Pervane in Tokat (1275) und Pervaneoglu Ali in Kastamonu (1272).

Durch den vom Iran kommenden persischen Einfluß auf die Intellektuellen, Verwaltungsfachleute, Künstler und Händler, hatte die iranische Kultur und Sprache immer mehr Auswirkungen auf den anatolischen Seldschukenstaat.

Die Beyliken

Die antiken Fürstentümer

Die politische Einheit in Anatolien wurde von der Zeit des Zusammenbruches des anatolischen Seldschukenstaates zu Beginn des 14. Jahrhunderts (1308) bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts unterbrochen, als jede der Regionen des Landes unter die Herrschaft von Beyliken (Fürstentümer) fiel. Schließlich wurde das Ottomanische Fürstentum, das alle anderen Fürstentümer zerstörte und die politische Einheit in Anatolien wiederherstellte, in den Gegenden um Eskitehir, Bilecik und Bursa gegründet.

Andererseits blieb die Gegend in Zentralanatolien östlich der Ankara-Aksaray-Linie bis hin zur Gegend um Erzurum bis zum Jahr 1336 unter der Verwaltung des Ilhani-Generalgouverneurs. Die internen Machtkämpfe in Ilhan gaben den Fürstentümern in Anatolien ihre vollständige Unabhängigkeit. Zusätzlich wurden in den Gebieten, die vormals unter Ilhan-Besetzung standen, neue türkische Fürstentümer gebildet.

Während des 14. Jahrhunderts begannen die Turkomanen, die westlichen Türken, ihre frühere politische Souveränität in der islamischen Welt wiederherzustellen.

Während der Zeit der anatolischen Fürstentümer machte die türkische Sprache und Kultur eine rapide Entwicklung durch. In diesem Zeitraum begann es, daß die türkische Sprache in den Wissenschaften und in der Literatur angewandt wurde. Sie wurde die offizielle Sprache der Fürstentümer. Neue Hochschulen wurden errichtet. In den medizinischen Wissenschaften wurden in diesem Zeitraum Fortschritte erzielt.

Gültehri, Nesimi (d. 1404) und ahmedi (1325-1412) sind die bekanntesten türkischsprachigen Poeten des 15. Jahrhunderts.

Die Ottomanen

Das ottomanische Fürstentum wurde von einem turkomanischen Stamm, der an der türkisch-byzantinischen Grenze lebte, gegründet. Die geographische Lage des Fürstentums zusammen mit dem schwachen Staat der Byzantiner machten das ottomanische Fürstentum zum stärksten Staat in der islamischen Welt im 14. Jahrhundert.

Nachdem Fatih Sultan Mehmet II. die byzantinische Hauptstadt erobert hatte, wurde der ottomanische Staat der stärkste seiner Zeit. Die tolerante Haltung Fatih Sultan Mehmet II. gegenüber anderen Religionen und deren Anhängern wurde zu einer von seinen Nachfolgern akzeptierten Tradition. Als Folge der Eroberung Istanbuls wurde die orthodoxe Kirche von ihrer Gehorsamspflicht gegenüber der katholischen Kirche befreit und bekam die Unabhängigkeit zugestanden.

Andererseits wurde die technische Überlegenheit der ottomanischen Armee während der Herrschaft Selims I. offensichtlich. Dem Hauptteil Ostanatoliens fügten die Ottomanen die Länder zu, die in der islamischen Welt als heilig gelten: Mekka und Medina und die dazugehörigen Ländereien.

Während der Herrschaft Sultan Suleymans (1520-1555) hatte der Ottomanische Staat seine glänzendste Periode, als sich die Grenzen des Reiches vom Stadtrand Wiens bis hin zum Persischen Golf und von der Krim bis Äthiopien in Nordafrika erstreckten.

Das Ottomanische Reich eignete sich bis Mitte des 17. Jahrhunderts weiter Territorium an. Im Jahre 1683 erlitt es seine erste große Niederlage bei der Belagerung Wiens.

Als es weiterhin Landverluste gab, suchte das Ottomanische Reich Rettung in einer Reihe von Reformbewegungen. Es gründete Lehrinstitutionen ähnlich den westlichen Institutionen, die nach der Renaissance große Entwicklungen gemacht hatten.

Die Erklärung der "Tanzimat"-Reformbewegung aus dem Jahre 1839 wird als bedeutendes Glied in der Kette der Dinge, die seit dem Beginn des 17. Jahrhundert unvermindert weiter zur Modernisierung führten, betrachtet.

Der Tanzimat-Erlaß wird als die Art von Verfassung betrachtet, die der Türkei den Weg in die moderne Zivilisation ermöglichte.

Die dem Tanzimat-Reformerlaß innewohnenden Prinzipien legten damit die Grundlage für das Verfassungssystem der modernen Türkei und die Durchsetzung des Säkularismus.

Trotz vieler interner Probleme und Unruhen während der Regentschaft von Abdülaziz (1861-1876) wurden die Auswirkungen der westlichen Zivilisation auf die Gesellschaft immer deutlicher. Namik Kemal, Ziya Pasha, Mustafa Fazil Pasha und seine Freunde gaben in London im Jahr 1864 die Zeitung "Hürriyet" (Freiheit) heraus. Die literarischen Themen der Zeitung machten später politischen Ausgaben Platz. Obwohl es wegen dieser Trends geschah, daß die erste Verfassung unter der Führung von Mithat Pasha im Jahre 1876 verbreitet wurde, benutzte Sultan Abdülhamid II. (1876-1909) den Ottomanisch-Russischen Krieg (1877-78) als eine Entschuldigung, das Parlament aufzulösen und effektiv dieser Verfassungsperiode ein Ende zu machen. Das Ottomanische Reich trat 1914 an der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg ein.

Der Ottomanische Staat ging zusammen mit seinen Alliierten als Verlierer aus dem Krieg hervor und wurde am 30. Oktober 1918 gezwungen, den Mudrow-Waffenstillstand zu unterzeichnen. Unter den Bedingungen des Waffenstillstands war auch eine Verfügung, die besagte, daß die Besatzungsmächte jene Gegenden besetzen könnten, die als strategisch bedeutend erachtet wurden; gemäß diesen Bedingungen begannen die Mächte, Anatolien am 1. November 1918 zu besetzen.

Am 15. Mai 1919 besetzten die Griechen Izmir. Eine nationale Widerstandsbewegung entstand. In vielen Regionen des Landes begann die Gesellschaft für die Verteidigung der Rechte (Müdafaa-i Hukuk) plötzlich zu entstehen. Der militärische Zweig der Gesellschaft, genannt Kuvayi Milliye, begann aktiv zu werden.

Die Widerstandsbewegung war, bis Mustafa Kemal bei Samsun landete, sporadisch und unorganisiert. Unter seiner Führung wurde der Widerstand geschlossen, wurde zu einer organisierten Armee, und die Bewegung wurde auf der ganzen Linie zu einem Unabhängigkeitskrieg.





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Nazire

Frühgeschichte
Kleinasien ist eine der Wiegen der frühen Hochkulturen der Menschheit. Eine Besiedelung ist archäologisch seit mindestens 13.000 Jahren nachgewiesen (Höhlen in Karain). Der sogenannte fruchtbare Halbmond in dem der bedeutende Übergang zum Ackerbau vollzogen wurde liegt teilweise im Gebiet der heutigen Türkei; u.a. die Stadt von Çatal Hüyük die vor ca. 8.000 Jahren 8 - 10.000 EinwohnerInnen beherbergte sind ein Zeugnis einer neolithischen (wahrscheinlich matriachalen) Hochkultur. Später siedelten u.a. Hethiter Asyrer und Phrygier in Kleinasien bevor es unter persische makedonische und schließlich griechische Hoheit fällt. Die Funde von Troya und Pergamonaltar sowie der Artemis-Tempel in Ephesus (eines der Sieben Weltwunder) sind Beispiele für den archäologischen Reichtum der Region der aber zu einem großen Teil ins europäische Ausland (bes. Deutschland und England) verbracht wurde.

Mittelalter - Osmanisches Reich
Zu Beginn unserer Zeitrechnung gehört Kleinasien zum römischen Reich und Konstantinopel wird 330 Hauptstadt des oströmischen bzw. Byzantinschen Reich. Seit 380 Theodosius das Christentum zur Staatsreligion erhoben hat ist die Stadt Mittelpunkt der Ostkirche und Sitz des einflußreichsten Patriarchen. Byzanz steht einerseits in Konkurrenz zum Weströmischen Reich andererseits ist es Ziel von Angriffe persischer hunnischer germanischer gotischer arabischer bulgarischer und awarischer Armeen. Es hielt sich aber und erstarkte um die Jahrtausendwende.
Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts dringen die Seldschuken aus dem Osten vor eine islamisierte türkische Dynastie aus Transoxanien im heutigen Usbekistan die zuvor Afghanistan und Teile von Persien erobert hat.

Mit der Schlacht von Mantzikert ( 1071 ) bringen die Seldschuken dem Byzantinschen Reich eine verheerende Niederlage bei. In der Folge davon begann im 12. Jahrhundert der Niedergang der Herrschaft des byzantinischen Reiches und der Aufstieg der Seldschuken. Diese haben um 1230 ihren Hochzeit. Danach wird das seldschukische Reich zunehmend durch innere Streitigkeiten aber auch durch Einfälle mongolischer Krieger der Ilkhan - Dynastie (auch sie Muslime ) sowie Kreuzfahrern bedroht. Ab 1234 geriet Kleinasien kurzzeitig unter mongolische Hoheit. Zurück blieben türkische Kleinstaaten.


Türkei bis 1453

Um 1299 begründete Osman I. (*1259 †1326; reg. 1299-1326) das nach ihm benannte Osmanische Reich und die Osmanen -Dynastie. Seine Nachfolger erkämpften in blutigen Fehden gegen die anderen türkischen Stämme die Vorherrschaft. Sie drangen 1353 bis 1402 auf den Balkan vor. Am 29. Mai 1453 eroberten sie unter Mehmed II. Fatih ("Der Eroberer") Byzanz das zur Hauptstadt des osmanischen Reiches wird Sitz der Sultane wurde der neu errichtete Topkapı-Serail. Damit endete das Byzantinische Reich das sich zuletzt nur noch auf die Stadt Konstantinopel beschränkte (Goldener Apfel).

Die Expansion schreitet in den folgenden fünfzig Jahren voran: Serbien (1459) Griechenland (1461) Bosnien (1463) und Albanien (1479) werden osmanische Provinzen. Das Khanat der Krimtataren (1475) und Moldawien werden Vasallenstaaten des Osmanischen Reichs.

Ab 1460 beanspruchten die osmanischen Herrscher den Titel Kalif (arab. khalifa = »Nachfolger« (des Propheten Muhammad ). 1517 erhielt Selim I. vom letzten nominellen abbasidischen Kalifen in Kairo offiziell das Kalifat übertragen und sah sich damit in der ununterbrochenen Sukzession des bedeutungslos gewordenen frühislamischen Kalifats was später allgemein anerkannt wurde.


Neuzeit
Das osmanische Reich ist als feudaler Militärstaat in vielen Aspekten vergleichbar mit den sich später entwickelnden absolutistischen Staaten in Europa. Wirtschaftlich wurde es vom Lehnswesen getragen dem Militär galt das Hauptaugenmerk des Staates. Die Vergabe von Ländereien war an die Teilnahme am Kriegsdienst gebunden diese Pfründe (Timar) waren nicht vererblich.
Insbesondere den Janitscharen kam eine bedeutende Rolle zu. Zumeist wurden für diese Truppe Jungen aus christlichen Bevölkerungsgruppen rekrutiert. Der oberste Militärrichter hatte auch die höchste Richteramt inne.

Die zweite Säule der osmanischen Herrschaft war der Islam . Mit dem Kalifat haben die Sultane auch die religiöse Macht inne. Die Rechtssprechung bezog sich in erster Linie auf den Islam konnte aber durch weltliche Gesetze ergänzt werden. Religiöse Minderheiten wie die jüdische und christliche haben eine besondere Stellung: Sie hatten - wie auch andere Gruppierungen im Staat - den Status einer Millet inne und konnten über ihre inneren Angelegenheiten relativ selbständig entscheiden. Ihre Würdenträger hatten eine privilegierte Stellung im osmanischen Staat. Aufgrund dieser relativen Toleranz ist das osmanische Reich Zufluchtsort für verfolgte Minderheiten besonders Juden aus Europa.

Das osmanische Reich kontrollierte über lange Zeit die wichtigen Handelsrouten zwischen Asien und Europa sowie das Schwarze Meer und Teile des Mittelmeeres. Handel und Gewerbe überließen die Osmanen aber europäischen Händlern und Mitgliedern ethnischer Minderheiten (besonders Griechen Armeniern und Juden). Ökonomisch trägt sich das Reich in erster Linie durch Kriegsgewinne und Tributzahlungen aus den unterworfenen Gebieten.

Im 16. Jahrhundert drangen osmanische Truppen weit nach Asien Afrika und auch nach Europa vor: 1514 bis 1517 : besiegte Sultan Selim I. den Safawiden - Schah Ismail von Persien (1514) und erobert Syrien Palästina Ägypten und Gebiete Nordafrikas ( 1516 /17). Das Osmanische Reich wurde immer mehr zu einer eigentlichen Weltmacht .

Unter Sultan Süleyman I. dem Prächtige (1520-1566) erlebte das osmanische Reich seine Glanzzeit. In seiner Herrschaftsperiode kamen Kultur Wissenschaft und Architektur zur Blüte eine Vielzahl von Bauwerken zeugen auch heute noch von dieser Zeit. Zudem tut sich Süleyman als Feldherr hervor: In der Schlacht von Mohács wurde Ungarn 1526 besiegt. Wien belagerten die Osmanen 1529 vergeblich. Mesopotamien ( Irak ) geriet ab 1533-36 unter osmanische Herrschaft. Die Eroberung der Insel Zypern folgte 1571 . Im gleichen Jahr wurden die Osmanen von den Venezianern und Spaniern in der See schlacht von Lepanto entscheidend geschlagen.

Damit zeichnete sich der Niedergang des Osmanischen Reichs ab: 1662 bis 1664 im Österreichisch-türkischer Krieg schlagen österreichische Truppen die Osmanen zurück.

Die ökonomische Basis des Staates bröckelte angesichts der wechselhaften Kriegsverläufen und dem luxeriösen Hofleben ab Ende des 16. Jahrhunderts. Deshalb wurden immer höhere Steuern erlassen und Ländereien verkauft und dann an Bauern zu überhöhten Zinsen weiter verpachtet. Die Folge war eine Landflucht aber auch Aufstände der verelendeten Bevölkerung. Diese Neuerungen führten zu zunehmenden Widersprüchen da die Selbstverwaltung der Dorfgemeinschaften durch die staatliche Verwaltung unterlaufen wurden.


Größte Ausdehnung bis zum Karlowitzer Frieden 1699

Im Frieden von Salona ( 1671 ) mußte Venedig Kreta an die Osmanen abtreten welche die Insel de facto bereits seit 1669 besetzt hielten.

Die (Re-)Christianisierungsmaßnahmen der österreichischen Führung in Ungarn hat dort zu einer Erhebung geführt und die Osmanen kamen den Ungarn 1683 zur Hilfe. Ihr zweiter Vorstoß auf Wien scheiterte. In der Folge gelangen große Teile Ungarns an Österreich. Die Venezianer eroberten 1685 bis 1687 den Peloponnes mußten diesen aber 1717 wieder an die Osmanen abtreten.


Zerfall des Osmanischen Reiches und Reformbemühungen
Im russisch-türkischen Krieg ( 1768 bis 1774 ) gelang den Russen die Vernichtung der türkischen Flotte. Russland erhält die Zusage der freien Handelsschiffahrt auf dem Schwarzen Meer sowie Schutzrechte über die orthodoxe Millet. Zudem verliert das Osmanische Reich mit dem Frieden von Küçük Kaynarca weite Teile in Europa und dem Balkan.
In einem neuen Krieg mit Russland verloren die Osmanen 1787 bis 1792 die Halbinsel Krim an Russland (Friede von Jassy 1792). 1812 wurden Große Gebiete des Hedschas (heute: Saudi-Arabien ) osmanisch. Damit gelangen auch die heiligen Stätten des Islam ( Mekka und Medina ) in osmanischen Besitz. Russland eroberte 1829 die Ostküste des Schwarzen Meeres Griechenland wurde 1830 unabhängig vom Osmanischen Reich.


Türkei und Schutzstaaten 1699-1877

Neben den militärischen Niederlagen führte auch der starre Staatsapparat zum Niedergang: mit der aufwendige Lebensführung des Hofstaates und die Vorherrschaft des Militär und eine feudal organisierte Ökonomie boten kaum eine Basis um angemessen auf die sich im 18. Jahrhundert verändernde weltpolitische Situation zu reagieren. Der auf Weltherrschaft zielende Imperialismus neue Handelsrouten und die industrielle Produktionsweise in den westeuropäischen Staaten wirkte einen zunehmenden Anpassungsdruck aus. Zudem nehmen europäische Mächte Einfluß auf die christlichen Millets. Die zunehmenden Unabhängigkeitsbewegungen in den Randgebieten zerschlägt das Reich brutal - 100 - 200.000 Menschen werden in diesen Aktionen in der Zeit von 1822 - 1909 ermordet.

Selim III. bemühte sich um 1800 als erster um Reformen des Staates wurde aber von den Janitscharen abgesetzt. Mahmud II. (1808 - 1839) konnte die Janitscharen ausschalten und beginnt Reformen in der Verwaltung der Justiz und im Bildungsbereich. Mit der darauf folgenden Tanzimat-Periode (1839 - 1879) werden grundsätzliche Reformen versucht die u.a. auf eine Europäisierung zielten. U.a. durch den Bau des Dolmabahçe-Serails als Regierungssitz in İstanbul nach dem Vorbild europäischer Prachtbauten (i.e. Versailles ) und mit einer Verwestlichung der Verwaltung die Einführung eines bürgerlichen Gesetzbuches (1869) mit Ansätzen zur Umsetzung der bürgerlichen Freiheiten und - auf Druck der jungtürkischen Bewegung - einer Verfassung (1876) die auch ein erstes aus zwei Kammern bestehendes Parlament vorsah.


Türkei unach dem Berliner Vertrag 1878 1881 u. 1885

In diesem Zusammenhang wurde auch die rechtliche Gleichbehandlung nicht-muslimischer Gruppen angestrebt um den wachsenden europäischen Einfluß zu überwinden. Zudem versuchte der Sultan seinen Titel Kalif als Oberhaupt der Muslime einzusetzen. Nach innen zielen die Reformen aber auf eine vorsichtige Säkularisierung . Der Staat wurde weiter zentralisiert und der lebenslängliche Kriegsdienst abgeschafft. Die ökonomische Wurzel des Problems wurde aber nicht angegangen: durch weiterhin günstige Zölle wurde der einheimische Markt durch billige Industriegüter in den Ruin getrieben die Besitzverhältnisse blieben unangetastet so daß die Massen weiter verelendeten.

Obwohl der Friedensvertrag von Paris (1856) die Unversehrtheit des Reiches garantierte und die Aufnahme in das europäischen Staatensystem vorsah erwies sich die Tanzimat-Periode als ein Rückschlag. 1875 ist der Staat bankrott was die Verschuldung im Ausland nach sich zog. Die Verfassung wurde 1878 wieder ausgesetzt. Auch der territoriale Zerfall ging weiter: Auf dem Berliner Kongress verhandeln die europäischen Großmächte mit der osmanischen Regierung über die Zukunft des Reichs. In der Folge erhalten Serbien Montenegro und Rumänien die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich 1877 / 1878 . Bosnien wurde von Österreich besetzt; Zypern fällt an Großbritannien Bulgarien wurde ein autonomes Fürstentum und 1908 ein unabhängiges Königreich . Im 3. Russisch-Türkischen Krieg ( 1877 / 1878 ) wurden die Osmanen erneut von den Russen besiegt. 1881 besetzte Frankreich Tunesien 1882 England Ägypten .


Türkisches Reich


Jungtürken und Gründung der Republik
Angesichts der Staatsorganisation fehlte sowohl ein Bürgertum als auch die Kapitalakkumulation die in West-Europa Grundlage der Industrialisierung und mit der bürgerlichen Revolution auch des Staates waren. Die nationalistische Bewegung im Osmanischen Reich rekutrierte sich in erster Linie aus dem Militär. Seit 1876 wuchs diese jungtürkische Bewegung im Untergrund. Ihr Ziel war die Etablierung eines großtürkischen Nationalstaates. Die Verschwörung der Jungtürken erzwang 1908 von Sultan Abdülhamid II. die Wiedereinführung der Verfassung und die Übertragung der Regierungsgewalt auf Vertreter der nationalistischen Bewegung. 1909 mußte der Sultan nach einem misslungenen Putsch abdanken. Sein Nachfolger und das Parlament hatten kaum noch Einfluss. Aber auch die autokratische Führung die sich alleine auf Offizierskorps stützte fand keine Lösungen für die anstehenden Probleme. Auch die Maßnahmen zur Industrieansiedlung (Befreiung von Pacht Zöllen und Steuern) bleiben erfolglos.
Der Staat wird immer instabiler noch vor dem 1. Weltkrieg verliert das Reich weitere Gebiete: 1911 / 1912 verliert es Tripolitanien (das heutige Libyen in Nordafrika) an Italien und 1912 / 1913 erlangt Albanien seine Eigenstaatlichkeit. Makedonien gelangte unter serbische bzw. bulgarische Herrschaft. Ende der osmanischen Herrschaft auf europäischem Boden (allein İstanbul und Adrianopel [Rumelien genannt von "Rom"] verbleiben in osmanischem Besitz).

Als Folge der nationalistischen Politik verlor die Regierung zudem den Rückhalt der Minderheiten - selbst der muslimischen. Gleichzeitig betreibt die Regierung rassistische Propaganda besonders gegen die Armenier und Griechen die als Verräter diffamiert werden. 1915 veranlaßte die jungtürkische Bewegung die Verhaftung Deportation und Ermordung armenischer Intellektueller in İstanbul und leitet damit den Völkermord an den Armeniern ein mit über einer Million (bis zu 2 1 Mio.) Ermordeten.

Am 1. Weltkrieg nimmt das Reich an der Seite der Mittelmächte teil und verliert in der Folge weitere Gebiete: Hedschas (1916) und Asir (1917) auf der arabischen Halbinsel (heute: Saudi-Arabien ); 1917 / 1918 besetzten britische Truppen Syrien Palästina und den Irak . Die Kapitulation von 1918 und der Friedens vertrag von Sèvres den der Sultan am 10.8. 1920 annimmt sieht eine massive Einflußnahme der Siegermächten auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung Türkei vor sowie weitere Gebietsabgaben an Griechenland sowie die Bildung eines armenischen und eines kurdischen Staates.

Gegen diese Entwicklung formierte sich politischer und militärischer Widerstand an dessen Spitze sich ab 1919 der jungtürkische General Mustafa Kemal setzte. Seine nationale Bewegung gewinnt die Wahlen vom Dezember 1919 . Nachdem am 16.3. 1920 britische Truppen İstanbul besetzt haben verhafteten sie Mitglieder von Kemals Partei - daraufhin verlegte dieser den Tagungsort nach Ankara das fortan zur Hauptstadt wurde. Der Befreiungskrieg begann im September 1920 mit dem Angriff auf den neugeschaffenen armenischen Staat der bis zum Dezember vernichtet wurde. Bis 1922 kämpften die türkischen Truppen gegen griechische brachten Anatolien die Halbinsel unter ihre Kontrolle und vertrieb die griechische Bevölkerung. Ab Dezember 1922 Waffenstillstand.

In der Folge wurde das Militär vor allem im Inneren des Staates eingesetzt so z.B. zur Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung im Südosten der Türkei. Die kurdische Sprachen und Kultur wurden verboten die Region systematisch unterentwickelt was eine massive Landflucht zur Folge hatte. Noch zu Lebzeiten Kemals gab es drei kurdische Aufstände ( 1925 Scheich Said Aufstand 1930 Ararat und 1938 Dersimaufstand) sie alle wurden brutal niedergeschlagen.

Am 2. November 1922 setzte die Regierung den letzten Sultan Mehmed VI. ( *1861-1926; reg. 1918-1922) ab; sein Nachfolger Abdülmecid II. trug nur noch den Titel eines Kalifen . Der Friedens vertrag von Lausanne (24.7.1923) ersetzte den Vertrag von Sèvres und sicherte der Türkei die staatliche Autonomie zu. Am 29.10. 1923 rief Mustafa Kemal die Republik aus. Am 3.3. 1924 wurde der letzte Kalif Abdülmecid II. (*1868-1944; reg. 1922-1924) abgesetzt. Kemal begann umgehend tiefgreifende Reformen der Gesellschaft die auf die Ausbildung eines modernen Nationalstaat zielen: Einführung eines bürgerlichen Gesetzbuchs nach west-europäischem Vorbild (1923); Kleidungsordnung (Hutzwang) (1925); Verbot traditioneller Kleidung (Fez); Verordnung von Nachnamen (aus einer Liste von türkischen Namen zu wählen) Umzug der Hauptstadt nach Ankara; Berufung der Imame durch den Staat (1926) die standesamtliche Ehe. Desweiteren führte er u.a. das metrische System sowie den gregorianische Kalender ein. 1928 Einführung der lateinischen Schrift. Ab 1932 forcierte die staatliche Sprach-Gesellschaft Türk-Dil-Kurumu die Entwicklung der Sprache insbesondere durch die Turkisierung auf Grundlage alter Schriften und Erforschung. Die Grundsätze seiner Politik bezeichnete er als die 6 Pfeile (alti ok): Populismus Nationalismus Reformismus (Revolutionismus) Laizismus Republikanismus Etatismus.

1934 beschloss das Parlament Mustafa Kemal den Beinamen Atatürk ("Vater der Türken") zu verleihen. Er starb am 10. November 1938 . Seine Reformen - auch als Erziehungsdiktatur bezeichnet - haben einen tiefgreifenden sozialen kulturellen und wirtschaftlichen Wandel erreicht die das Land bis das Land bis heute prägen. Gleichwohl hatte er Elemente des Osmanischen Reiches nicht angetastet: so die autoritäre Statsführung oder die Vorherrschaft des Militärs und der Beamtenschaft.


Nach Atatürk
Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten wurde bis 1950 sein Kampfgefährte und Außenminister Ismet Inönü . Er war ein geschickter Diplomat und erreichte letzte territoriale Veränderungen: Hatay (Sandschak Alexandrette) seit 1920 französisches Mandatsgebiet wurde 1938 unabhängige Republik und 1939 türkische Provinz (Hauptstadt: İskenderun).
Im Zweiten Weltkrieg blieb die Türkei neutral und erklärte erst zu Kriegsende am 1. März 1945 Deutschland formell den Krieg. Dabei hatte NS-Deutschland (Botschafter Franz von Papen ) versucht das Land auf seine Seite zu ziehen. Inönü hatte 1941 einen Friedensvertrag mit Deutschland geschlossen und dessen Rüstundsindustrie durch Chromlieferungen unterstützt. Gleichzeitig war die Türkei ein wichtiges Land bei der Aufnahme von EmigrantInnen in der Türkei die teilweise relativ schnell wichtige Positionen in den Universitäten bekamen.

Bis 1945 führte Atatürks republikanische Volkspartei als einzige Partei die Türkei auch wenn zwischenzeitlich mehrmals kurz Oppositionsparteien erlaubt waren. Inönü ließ ab 1945 Parteigründungen zu und die CHP wurde 1950 von der Demokratischen Partei (DP) unter Adnan Menderes abgelöst.

Die Türkei dem am 18.2. 1952 dem westlichen Bündnissystem an und wird Mitglied der NATO bei. Am 5. - 6.9. 1955 kam es zum Pogrom gegen die Griechen in İstanbul. Menderes versuchte in seiner Amtszeit von 1950 - 60 die Industrialisierung zu forcieren. Das hatte zur Folge dass Auslandschulden und Inflation anstiegen. Zudem wurde dem Islam wieder eine größere Rolle im öffentlichen Leben zugestanden. 1960 proklamierete er ein Ermächtigungsgesetz um den wachsenden Widerstand auszuschalten. Er setzte auch den Oberbefehlshaber Cemal Gürsel ab was diesen zum Putsch veranlaßt. Menderes wird am 17. September 1961 auf Imrali hingerichtet. Inönü wird 1961 - 65 Ministerpräsident.

Die politische Situation in der Türkei seit den 60er Jahren schien relativ verwirrend da sie von stark wechselnden Mehrheiten Neuwahlen Parteineugründungen bzw. -umbenennungen und der Drohungen des Militärs zur Machtübernahme gekennzeichnet wird. Diese innere Instabilität macht die Türkei anfällig für ausländische Interventionen insbesondere der NATO aber auch der Weltbank und des IWFs .

Gleichwohl bleiben unter wechselnden Mehrheiten 4 Strömungen mit 4 Männern an ihrer Spitze an der Führung des Staates:

Der inzwischen sozialdemokratische Kemalismus der CHP (Republikanische Volkspartei) von Bülent Ecevit (* 1925) Ministerpräsident in den Jahren 1974 - 75; 1978 - 79
Die Konservative Strömung der AP (Gerechtigkeitspartei ehemals DP inzwischen DYP (Partei des Rechten Weges)) unter Süleyman Demirel (1924 - ) - Ministerpräsident 1965 - 1971 1975 - 1977; 1979 - 1980 1991 - 1993; Staatspräsident seit 1993
die wirtschaftsliberalistische Politik von Turgut Özal ( 1923 - 1993 ). Er wurde 1983 bis 1989 Ministerpräsident und 89 - 93 Staatspräsident.
schließlich bleibt das Militär eine eigenständige Macht die mit Kenan Evren (* 1918) ab 1980 das Amt des Staatspräsidenten inne hat.
Der politische System in der Türkei sieht - u.a. aufgrund der Reformen Evrens für den Staatspräsidenten eine starke Position vor die häufig zu Konflikten mit der Regierung führt. Das Parlament selbst hat nur eine untergeordnete Funktion und eine Kontrolle über die Machtausübung findet häufig nicht angemessen statt. Entsprechend erscheinen regelmäßig Korruptionsvorwürfe und Berichte über die Verwicklung staatlicher Stellen in mafiöse Machenschaften wie auch die Unterstützung der terroristischen Konterguerilla. Auch die Menschenrechte standen immer wieder zur Disposition Folter und Zensur und auch politische Morde waren lange Zeit an der Tagesordnung. Insbesondere die Unterdrückung der kurdischen Minderheit und der Kampf der PKK die 1978 gegründet wurde ????? hier fehlt etwas ...

Die traditionelle Rivalität zwischen Griechenland und der Türkei besteht insbesondere in Gebietsstreitigkeiten (besonders in Zypern und den) fort und eskaliert periodisch. 1974 Einen Höhepunkt findet die Auseinandersetzung nachdem die Griechischzyprioten im Juli versuchen Zypern dem obristisch geführten Griechenland anzuschließen. In der Folge besetzen türkische Truppen am 20.7. den Nordteil der Insel. Die Zypernkrise droht immer wieder die NATO zu spalten wurde aber immer wieder diplomatisch (durch NATO ER und UN) gedeckelt. In der Folgezeit gibt es sowohl in der Zypernfrage als auch an anderen Punkten wie der Erdölförderung in der Ägäis immer wieder zu Spannungen zwischen den Nachbarn. Ende der 1970er Jahre eskaliert der Terror vor allem gegen Intellektuelle und Linke aber auch gegen Vertreter des Staates. Am 12.9. 1980 ergriffen die Militärs die Macht erneut. Generalstabschef Kenan Evren (* 1918) wurde Staatspräsident. Die Junta ging heftig gegen die kurdischen Autonomisten und linke Oppositionelle vor. Am 7.11. 1982 wurde die von den Militärs vorgelegte neue Verfassung wird in einer Volksabstimmung angenommen. Am 15.11. 1983 proklamierte der seit 1974 von türkischen Truppen besetzte Nordteil der Insel Zypern seine Eigenstaatlichkeit unter der Bezeichnung Türkische Republik Nordzypern.

1983 ließ die Junta die Gründung von Parteien zu; Evren blieb bis 1989 gewählter Präsident. Die Wahl am 11.1983 gewann Turgut Özals Mutterlandspartei (ANAP) die absolute Mehrheit Özal führte neoliberalen Reformen zur Stabilisierung der Wirtschaft durch.

Außer in einigen kurdischen Provinzen wurde 1984 bis 1986das Kriegsrecht sukzessive aufgehoben. Am 27.3. 1987 kam es zu erneuten Spannungen mit Griechenland wegen Erdölförderungen in der Ägäis .


Aktuelle Situation
Zu Beginn der 90er Jahre bleiben die alten Parteien an der Macht. 1991 wurde die DYP stärkste Kraft und Demirel Ministerpräsident. Nach Özal Tod im Mai 1993 übernahm er das Amt des Staatspräsidenten bis 2000 . Ihm folgte Tansu Çiller als Partei- und Regierungscheffin (bis 1996). Özals Kronprinz Mesut Yılmaz von der ANAP und Çiller kämpften Mitte der 90er Jahren um die Macht wobei das Versagen des Parlamentarismus offenkundig wurde. So weigerte sich Demirel im Juni 1997 Çiller mit der Regierungsbildung zu beauftragen und machte statt dessen Yılmaz zum Ministerpräsidenten. Mitte der 90er Jahre stieg die Unzufriedenheit der Bevölkerungen mit der Regierung und den etablierten Parteien stark und alte Splitterparteien bzw. neue Parteien konnten bei den Wahlen seitdem große Erfolge erlangen. So wurde die islamistisch-fundamentalistische RP (Wohlfahrtspartei) im Dezember 1995 stärkste Fraktion. Der Führer der RP Neçmettin Erbakan (* 1926) bildet im Juni 1996 eine Koalitionsregierung. Mit seiner Politik geriet er in Widerspruch zu der von Kemal Atatürk begründeten laizistischen Staatsdoktrin als deren Stützen sich vor allem die Militärs sehen. Am (30.6.) 1997 : Neçmettin Erbakan mußte auf Druck der Militärs zurücktreten.
Nach einer kurzen Regierungsphase (Juni 97 - November 98) von Mesut Yılmaz wurde Ecevit (zu dieser Zeit in der DSP (Demokratische Links Partei)) unter wechselnden Koalitionen zusammen mit der ANAP der DYP und der rechtsextremen MHP (Partei der Nationalen Bewegung) bis 2002 zum Ministerpräsidenten.

Nach den Wahlen am 3. November 2002 löste eine neue Regierung unter der Führung der islamisch verwurzelten AKP [Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung AKP Ministerpräsident wurde zunächst Abdullah Gül . Der Führer und wichtigste Mann der AKP Recep Tayyip Erdoğan durfte dieses Amt nicht übernehmen da er 1998 wegen der "öffentlichen Äußerung islamistischer Parolen" (Zitierung eines religiösen Gedichts welches aber auch zur Pflichtlektüre in den Schulen gehört) verurteilt und vorbestraft wurde. Erst nach Änderung von Gesetzen (Abschaffung des Verbots der politischen Tätigkeit von dieser Art verurteilten) konnte er durch eine Nachwahl am 9. März 2003 in der Provinz Siirt am 11. März 2003 das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen.

Die politischen Querelen und die vor allem wirtschaftsliberalistisch orientierten Programmen führten in den 90er Jahren zu einer weiterhin hohe Inflation und Massenarbeitslosigkeit. Im August 1999 hob die Regierung Ecevit das zwischenzeitig verhängte Politikverbot gegen Erbakan auf um die Zustimmung seiner Fraktion zu einer Verfassungsreform zu erhalten und darüber internationale Kredite über den IWF zu erlangen.

Auch das verheerende Erdbeben das am 17.8.1999 Izmet und die Marmararegion verwüstet legte mit İstanbul auch die größte Wirtschaftszone der Türkei lahm. Rund 20.000 Menschen starben auch in Folge der mangelhaften Einhaltung der Bauvorschriften. Vor allem die ärmsten Bevölkerungsteile leiden bis heute unter den Folgen.

Die Regierung Ecevit versuchte mit Privatisierungen der Staatbetrieben wie auch der Bekämpfung der Korruption die Wirtschaft zu stabilisieren. Mitte 2000 wurden bei Wirtschaftsprüfungen bei mehreren Banken aber massive Manipulationen wie Steuerhinterziehung und Veruntreuung entdeckt was zu einem Börsencrash führte. Die eingeleitete staatliche Kontrolle der Banken konnte die Kapitalflucht aber nicht bremsen. Querelen zwischen Staats- und Ministerpräsidenten über Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption führten im Frühjahr 2001 erneut zu einer massiven Abwertung der türkischen Lira. Massenproteste und polizeiliche Repression dagegen waren eine Folge.

Seit die Türkei am 14.4. 1987 in Brüssel offiziell um Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft (EG) ersucht hatte kommen aus Europa immer neue Forderungen die Grundlage für eine Aufnahme sein soll. Dabei ging es einerseits um Garantien für die Umsetzung von Menschenrechten andererseits aber um politische und wirtschaftliche Einflußnahme. Am 1.1. 1996 trat die Zollunion zwischen der Türkei und der Europäischen Union (EU) in Kraft am 6.10. 1999 befürwortete das Europäische Parlament prinzipiell eine Kandidatur der Türkei als Mitgliedsstaat der Europäischen Union (EU). Vor allem die deutsche Bundesregierung verzögerte aber die Gespräche. Die individuelle Freizügigkeit die die EU der Bevölkerung ihrer Mitgliedsstaaten garantiert blieben bislang bei den Verhandlungen ausgeklammert.

Die Türkei ist eng eingebunden in die NATO . Im Zweiten Golfkrieg 1990 stellt sich die Türkei auf die Seite der USA und ihrer Alliierten und damit gegen den Irak. Im Krieg gegen den Irak im Jahre 2003 verweigerte die Türkei den USA und ihren Verbündeten die Nutzung ihrer Militärbasen. Vorangegangen waren Bestrebungen der türkischen Armee bei einer Invasion in den kurdischen Teil des Iraks einzumarschieren was international auf Ablehnung gestoßen war. Am 15. und 20.11. 2003 töten in İstanbul vier Anschläge gegen Synagogen das britische Konsulat und eine britische Bank 50 Menschen und verletzten ca. 600. Zu den Anschlägen bekannte sich eine türkische Al-Qaida -Zelle mit dem Namen IBDA/C (Front der Vorkämpfer für den Großen Islamischen Osten).

Am 21.1. 2000 unternahm die Türkei den Versuch mit verschiedenen Abkommen ihr traditionell gespanntes Verhältnis zu Griechenland zu normalisieren. Seit 2001 gab es erstmals Fortschritte bei den von den Vereinten Nationen betriebenen Verhandlungen Annäherungen zur Lösung der Zypernfrage. Der UN Plan sieht eine Konföderation der beiden Teile nach dem Muster der Schweiz vor. Er sollte vor Beitritt Zyperns zum 1. Mai 2004 von beiden Seiten unterzeichnet werden. Die türkische Seite unter Denktaş zeigte sich bislang aber nicht bereit und lehnte auch ein von der UN gefordertes Referendum ab. Darauf kam es zu massiven Protesten der türkischen Zyprioten die wohl mehrheitlich für eine Wiedervereinigung sind. Als Reaktion öffnete Denktaş überraschen die Grenze zum griechischen Teil und ermöglichte so gegenseitige Besuche die seit gut 30 Jahren nicht möglich waren. Am 24. April 2004 scheiterte der UN-Plan bei einem Referendum im griechischen Teil der Insel vorerst.

Im August 1996 beendete das Parlament den Ausnahmezustand in den Kurdenprovinzen erteilt der Armeeführung jedoch erweiterte Vollmachten bezüglich militärischer Einsätze Verhaftungen und Zensur in allen Provinzen des Landes. Ein Waffenstillstandsangebot der PKK lehnte die türkische Armeeführung im Januar 1997 ab; am 14.5.97 drangen türkische Verbände bis zu 200 km in die Kurdengebiete im Nordirak ein. Am 16.2. 1998 spürten Agenten des türkischen Geheimdienstes Abdullah Öcalan Führer der kurdischen PKK in Kenia auf und in verbrachten ihn in die Türkei. Am 25.11. 1999 wurde das Todesurteil gegen den Führer der kurdischen PKK Abdullah Öcalan ausgesprochen. Das Urteil wurde nicht vollstreckt. Die offizielle Anwärterschaft auf die Mitgliedschaft aus der EU führte zu einer zumindest oberflächlichen Kurskorrektur der Menschenrechtspolitik.

Am 3.10. 2001 beschließt das Parlament ein neues Bürgerliches Gesetzbuch das eine Stärkung der Demokratie der Menschenrechte und auch eine Gleichstellung von Männern und Frauen vorsieht. Am 31.7.2003 schränkte das Parlament den politischen Einfluß des Militärs ein. Trotz dieser politischen Erfolge gibt es bis heute schwere Menschenrechtsverstöße namentlich Folter und Beschneidung demokratischer Rechte in der Türkei.

www.uniprotokolle.de