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Başlatan khoLpa$aLı, Ocak 21, 2008, 10:15:13 ÖS

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khoLpa$aLı

Als Religion bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller
Phänomene, die menschliches Verhalten, Denken und Wertvorstellungen normativ
beeinflussen. Religiöse Sinngebungssysteme stehen jenseits von
naturalistischen Welterklärungen, indem sie sinnlichen Erfahrungen
transzendente oder immanente Ursachen zuschreiben.

Die in sehr langen Traditionen entstandenen Welterklärungen und Anleitungen
zur Lebensbewältigung werden in der westlichen Welt vor allem aufgrund
christlicher Traditionen häufig mit der Kurzformel „Glaube“ zusammengefasst.
Hierbei handelt es sich um die zumeist institutionalisierte und organisierte
Annahme einer oder mehrerer persönlicher oder unpersönlicher transzendenter
Wesen (z. B. eine Gottheit, Geister und/oder Prinzipien (z. B. Dao, Dhamma)
und/oder andere Vorstellungen, wie Nirvana und Jenseits. Allerdings erfasst
dieses Merkmal nicht alle Religionen, da es in einigen Religionen keine oder
kaum eine Rolle spielt.

Ein weiteres Problem stellt die Zuschreibung des Attributs Religion an eine
Gemeinschaft dar. Einige Religionen beruhen auf philosophischen Systemen,
bei anderen ist die politische Orientierung bis hin zur Theokratie oder der
spirituelle Aspekt sehr ausgeprägt. Eine klare Abgrenzung ist nicht möglich,
Überschneidungen finden sich in nahezu allen Religionen und insbesondere bei
der Rezeption durch einzelne Menschen. Sehr viele Religionen weisen jedoch
gemeinsame Elemente wie die Kommunikation mit transzendenten Wesen im Rahmen
von Heilslehren, Symbolsystemen und Ritualen auf.

Keine Definition des Begriffs Religion findet in den verschiedenen
Wissenschaften allgemeine Anerkennung. Vielmehr existierten viele
unterschiedliche Religionsdefinitionen nebeneinander.

Die weltweit größten Religionen (auch: Weltreligionen) nach Anhängerzahl
sind: Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Shinto, Daoismus,
Sikhismus, Judentum, Konfuzianismus und Bahai. Siehe auch Liste der
Religionen der Welt.

Mit der wissenschaftlichen Erforschung befassen sich insbesondere die
Religionswissenschaft, die Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die
Religionsethnologie, die Religionsphänomenologie und die
Religionsphilosophie.

Religöse Symbole, von links nach rechts: Zeile 1: Christentum, Judentum,
Hinduismus; Zeile 2: Islam, Buddhismus, Shinto; Zeile 3: Sikhismus, Bahai,

Frühe Religionsgeschichte 
Venus von WillendorfNachdem ältere Theorien wie die eines hominiden
Bärenkultes heute als widerlegt gelten, andererseits aber die lange
bezweifelten Datierungen jungpaläolithischer Höhlenmalereien und
Musikinstrumente wesentlich erweitert und bestätigt wurden, hat sich ein
wissenschaftlicher Konsens über den Beginn menschlicher Religionsgeschichte
herausgebildet. Demnach werden Bestattungen und (später) Grabbeigaben als
frühe archäologische Zeichen religiösen Ausdrucks (Steinzeitliche
Religionen) anerkannt, die sich ab etwa 120.000 Jahren v.Chr. im
Mittelpaläolithikum sowohl bei Homo sapiens wie auch bei Homo
neanderthalensis nachweisen lassen, bei Homo sapiens jedoch bald komplexere
Formen von frühen Kunstwerke, aufwändigen Grabstätten und herausgehobenen
Bauwerken annahmen.

Ab ca. 40.000 v. Chr. – mit dem Auftreten künstlerischer Skulpturen,
Malereien und Musikinstrumente – werden die Hinweise deutlicher. Welche
religiösen Inhalte und Konzepte diesen Artefakten zuzuschreiben sind, ist
noch nicht geklärt.


Etymologie und Begriff 
Das Wort religio hatte im Lateinischen
verschiedene Bedeutungen: „Gottesfurcht“, „Frömmigkeit“, „Heiligkeit“, aber
auch „Rücksicht“, „Bedenken“, „Skrupel“, „Pflicht“, „Gewissenhaftigkeit“
oder „Aberglaube“. Die weitere Etymologie des Begriffs ist nicht mit
Sicherheit geklärt. Religio ist kein Terminus altrömischer Religion. Die
frühesten Belege für die Verwendung dieses Ausdrucks finden sich erst in den
Komödien des Plautus (ca. 250–184 v. Chr.) und in den politischen Reden des
Cato (234–149 v. Chr.).

Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72; 1. Jh. v. Chr.) geht religio zurück auf
relegere, was wörtlich „wieder auflesen, wieder aufsammeln, wieder
aufwickeln“, im übertragenen Sinn „bedenken, Acht geben“ bedeutet. Cicero
dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt. Neben oder
gegen religio als gewissenhafte Einhaltung überlieferter Regeln stand
superstitio für Formen religiöser Ekstase. Auch bei der Entlehnung ins
Deutsche im 16. Jahrhundert wird Religion zunächst in diesem Sinne verwandt:
In Abgrenzung amtskirchlicher Bibelauslegung und Kultpraxis gegenüber
sogenanntem Aberglauben (siehe superstitio).

Etwa 350 Jahre nach Cicero führte der christliche Apologet Lactantius
(Divinae Institutiones 4, 28) dagegen das Wort religio zurück auf religare:
„an-, zurückbinden“. Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von „Religion“ sind
demnach „frommes Bedenken“, die „Rückbindung“ an einen von Gläubigen
angenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstige Auffassungen
von Transzendenz.

Der Terminus Religio bzw. religiosus wurde im Mittelalter vor allem für den
Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis heute im
römisch-katholischen Kirchenrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
waren zur Bezeichnung der Gesamtheit des Religiösen die Ausdrücke fides
(Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. „Religion“
bezeichnete zunächst Lehren, die je nach Auffassung für richtig oder falsch
gehalten wurden. Erst nach der Reformation und insbesondere im Zeitalter der
Aufklärung wurde ein abstrakterer Religionsbegriff geprägt, auf den die
gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen.

In den meisten außereuropäischen Sprachen fanden sich bis zum 19.
Jahrhundert keine genauen Übersetzungen des Wortes Religion, häufig wurde
das Phänomen mit mehreren Begriffen umschrieben, oder es wurde relativ spät
ein neuer Begriff geprägt. Dies trifft beispielsweise auf den Ausdruck
Hinduismus zu, dessen Bedeutung einem mehrmaligen Wandel unterlag.

Wissenschaftliche Ansätze zur Definition und Beschreibung von Religion 
Jean-Jacques Rousseau kritisierte in seinem 1762 in Paris
erschienenen einflussreichen Werk „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien
des Staatsrechtes“ die Religion grundlegend als Quelle von Krieg und
Machtmissbrauch. Er entwickelt das Modell einer Zivilreligion, die den
politischen Erforderissen einer „freien“ Gesellschaft gerecht werde. Dazu
gehörte die Anerkennung der Existenz Gottes, eines Lebens nach dem Tod, die
Vergeltung von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, die Unantastbarkeit des
Gesellschaftsvertrages und der Gesetze und schließlich die Toleranz. Diese
neue, für alle Bürger gleichermaßen gültige, Religion sollte zur Stabilität
der Gemeinschaft beitragen.

Sein Gegenspieler Voltaire, der die Dogmen und die Machtfülle der
Katholischen Kirche noch schärfer ablehnte, setzte sich dennoch für einen
reinen, toleranten Monotheismus unabhängig von den bis dahin existierenden
Religionen ein und betonte die moralische Nützlichkeit des Glaubens an Gott.
Er erkannte zwar die Heiligen Schriften und die Auffassung Jesus sei Gottes
Sohn nicht an, war aber dennoch von der Gesetzmäßigkeit des Kosmos und der
Existenz einer höchsten Intelligenz überzeugt, ging von der Unsterblichkeit
der Seele und einem freien menschlichen Willen aus, Positionen, die er
jedoch auch wieder in jeder Hinsicht bezweifelte.

Immanuel KantImmanuel Kant formulierte 1793 in seiner
religionsphilosophischen Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der
bloßen Vernunft“ seine Auffassung über eine Vernunftreligion. Er entwickelte
eine philosophische Religionslehre, die das Prinzip des Bösen postuliert.
Das Böse sei dem menschlichen Wesen innewohnend. Er geht von der Existenz
Gottes und von der Unsterblichkeit der Seele aus. Gott lasse sich allerdings
nicht beweisen. Laut Kant verfügt lediglich das Christentum, im Gegensatz zu
anderen wie er meint veralteten und ritualisierten Religionen wie Judentum
und Islam, über eine Lehre und Moral, die die Philosophie anerkennen kann.
Konsequentes moralisches Handeln ist demnach nicht möglich ohne den Glauben
an die Freiheit, die Unsterblichkeit der Seele und Gott. Daher ist die Moral
das Ursprüngliche. Die Religion indes erklärt die moralischen Pflichten als
göttliche Gebote. Also folge die Religion dem bereits vorhandenen
Moralgesetz. Um die eigentlichen menschlichen Pflichten zu finden, muss man
das Richtige aus den verschiedenen Religionslehren herausfiltern. Rituelle
Praktiken der Religionen lehnte Kant als „Pfaffentum“ ab.

Der Religionskritiker Ludwig Feuerbach erklärte 1841 Religion als „das erste
und zwar indirekte Selbstbewußtsein des Menschen. […] der Mensch
vergegenständlicht in der Religion sein eignes geheimes Wesen.“  Demnach
betrachtet der religiöse Mensch alles, was er für wahr, richtig und gut
hält, als selbständige Erscheinungen außerhalb seiner selbst. Diese
selbständigen Erscheinungen kann sich der Mensch als Person in Einzahl oder
Mehrzahl mit begrenztem oder unbegrenztem Wirkungsbereich vorstellen und
demzufolge seine Begriffe vom Wahren, Richtigen und Guten als Bereichsgötter
oder einzigen Gott benennen oder ohne Personifikation als Kräfte, Mächte,
Wirkungen, gesetzmäßige Abläufe oder ähnlich bestimmen. Wie er das tut,
richtet sich nach regionaler Entwicklung und Überlieferung. Folgerichtig
anerkennt Feuerbach Religion nicht mehr als Welt deutendes, vielleicht alle
Menschen verpflichtendes System, sondern als völkerkundliches
Forschungsgebiet.

Karl Marx (1861)Karl Marx bezeichnete 1844 im Anschluss an Feuerbach in
seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie Religion als
„das Opium des Volkes“, ein Ausspruch der zum Geflügelten Wort geworden ist.
Nach Marx wird Religion als ein verkehrtes Weltbewußtsein von Staat und
Gesellschaft produziert, weil in ihnen der Mensch von sich selbst entfremdet
ist. „Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes“
ist für ihn daher „die Forderung seines wirklichen Glücks“.

Von Friedrich Nietzsche stammt der als Gedanke der Moderne immer wieder
zitierte Ausspruch „Gott ist tot!“ Er fährt fort, und dies ist weniger
bekannt: „Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns,
die Mörder aller Mörder?“ [5] Der Philosoph zählte die wachsende Bedeutung
der Naturwissenschaften und der Geschichtswissenschaft zusammen mit der
radikalen Religionskritik zu den Ursachen für den Verfall der (christlichen)
Moral.

In der Tradition Feuerbachs und Nietzsches stehend, stellte der Begründer
der Psychoanalyse Sigmund Freud Religion als Zwangsneurose und infantiles
Abwehrverhalten dar. Der Urmensch habe die Naturkräfte personalisiert und zu
schützenden Mächten erhoben, damit sie ihm in seiner Hilflosigkeit stützen.
Das zugrundeliegende Verhaltensmuster knüpft demnach an die frühkindliche
Erfahrung des schützenden aber auch strafenden Vaters an. Daraus resultiere
ein zwiespältige Verhältnis zum Vater, das im Erwachsenenalter zum „Glauben“
führe. Der Mensch fürchte die Gottheiten und suche gleichzeitig ihren
Schutz. Auf die Evolutionstheorie Charles Darwins Bezug nehmend, sah Freud
die „Urhorde“ mit einem despotischen „Stammesvater“ als Anführer, der über
alle Frauen des Stammes verfügen konnte. Seine Söhne verehrten ihn,
fürchteten ihn aber auch. Aus Eifersucht brachten sie gemeinsam den Urvater
um. Daraus sei der „Ödipuskomplex“ hervorgegangen. Das Schuldbewusstsein der
gesamten Menschheit (Vorstellung von der „Erbsünde“) sei somit der
kulturbewahrende Anfang sozialer Organisation, der Religion sowie – damit
zusammenhängend – sexueller Einschränkung.

Die argentinische Religionspsychologin Ana-Maria Rizzuto geht – anders als
Freud – davon aus, dass die Gottesvorstellung einen notwendigen Teil der
Ichbildung darstellt. Demnach entwickeln Kinder aus der breiten Fülle von
Phantasien zu Helden und magischen Wesen ihr jeweiliges Gottesbild – im
Rahmen des Bezugsystems ihrer Eltern und der Umwelt.

Erich Fromm prägte eine weite, sozialpsychologische Definition. Als Religion
betrachtete er jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und
Handelns, das dem Einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der
Hingabe bietet.

Der zeitgenössische postmoderne deutsche Philosoph Peter Sloterdijk schreibt
der Religion die Wirkung eines psychosemantischen Immunsystems zu. Im Zuge
der kulturellen Entwicklung sei der Mensch offener aber auch verletzbarer
geworden. Religion befähige den Menschen „Verletzungen, Invasionen und
Kränkungen“ selbst zu heilen. Sloterdijk bezeichnet nicht Gott, sondern „das
Wissen um Heilung als Realität, von der biologischen bis zu einer
spirituellen Stufe“ als die Perle in der Muschel der Theologie.

Religionssoziologische Ansätze 
Religionssoziologische
Gedankengänge finden sich bereits in der griechischen Antike, zumal bei
Xenophanes (Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus.).

Ferdinand Tönnies
Emile DurkheimNach Ferdinand Tönnies (1887), einem der Mitbegründer der
Soziologie, ist die Religion in der „Gemeinschaft“ das Äquivalent zur
„öffentlichen Meinung“ in der „Gesellschaft“. Diese Abgrenzung versteht
Tönnies als normaltypisch. Religion und öffentliche Meinung sind die
jeweilige mentale Ausbildung von Gemeinschaft bzw. Gesellschaft (neben der
politischen und der wirtschaftlichen). Da Tönnies zufolge sich die Menschen
in der Gemeinschaft als „Mittel zum Zweck übergeordneter Kollektive“
verstehen, sind sie zu großen Opfern zugunsten einer angenommenen höheren
Instanz fähig – anders als „gesellschaftlich“ verbundene Menschen, die alle
Kollektive als Mittel für ihre je individuellen Zwecke ansehen, und die
jeweilige Gesellschaft utilitaristisch unterstützen oder bekämpfen. Religion
und öffentliche Meinung haben, so Tönnies, starke Gemeinsamkeiten, etwa
heftige Unduldsamkeit gegen Abweichler.

Laut Émile Durkheim (1912), einem anderen Mitbegründer der Soziologie, trägt
Religion zur Festigung sozialer Strukturen, aber auch zur Stabilisierung des
Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer.
Gemäß Durkheim ist die Religion ein solidarisches System, das sich auf
Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Dinge umfassen und in einer
moralischen Gemeinschaft wie beispielsweise der Kirche, alle Mitglieder
miteinander verbindet. Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion, die
Glaubensüberzeugungen (Mythen), die Praktiken (Riten) und die Gemeinschaft,
auf die beide bezogen sind. Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den
Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder
ausübt. Zu den bemerkenswerten Aspekten seines Religionsbegriffs gehört die
Unterscheidung zwischen dem Sakralen und dem Profanen, die es erlaubt,
Religion ohne den Bezug auf Gott, Götter oder übernatürliche Wesenheiten
(Gottheiten) zu definieren. Sie wird auch außerhalb der Soziologie verwendet
und liegt ebenfalls dem Begriff „ säkulare Religion“ (bei Max Weber:
„Diesseitigkeitsreligion“) zugrunde, mit dem Weltanschauungen bezeichnet
werden, die diesseitige Phänomene wie z. B. den Staat, eine Partei oder
einen politischen Führer zum Gegenstand einer religionsähnlichen Verehrung
machen.


Max WeberMax Weber, der sich anfangs des 20. Jahrhunderts ausführlich mit
dem Phänomen „Religion“ aus soziologischer Sicht befasste, unterscheidet
zwischen Religion und Magie. Unter „Religion“ versteht er ein dauerhaftes,
ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine
geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und
gesellschaftlichen Einfluss anstreben. „Magie“ dagegen ist nach Weber
lediglich kurzfristig wirksam, gebunden an einzelne Magier oder Zauberer,
die als charismatische Persönlichkeiten vermeintlich Naturgewalten bezwingen
und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Abgrenzung versteht
Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und
Übergänge werden konstatiert.Weber erarbeitete umfangreiche
theoretische Abhandlungen über die verschiedenen Religionen, insbesondere
über die protestantische Ethik und führte empirische Studien zu der
unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in protestantischen und
katholischen Ländern durch.

Niklas Luhmann ist einer der Begründer der soziologischen Systemtheorie,
deren Grundlage in einer Unterscheidung zwischen „System“ und „Umwelt“
liegt. Die Umwelt bietet hierbei Möglichkeiten, die vom System durch
Ausgrenzung und Auswahl genutzt werden können. Durch diesen
Selektionsprozess wird die Umwelt in ihrer Komplexität eingeschränkt. Da
jedoch sowohl das System als auch die Umwelt nach wie vor von hoher
Komplexität geprägt sind, sind Vereinfachungen notwendig, die der
Orientierung dienen. Religion kommt solch eine orientierende Funktion zu.
Sie begrenzt ein Übermaß an Möglichkeiten und verhindert die beliebige
Veränderung der Auswahl.

In den 1980er Jahren entstand die Rational Choice-Theorie der Religionen.
Als Hauptvertreter gelten Rodney Stark, Laurence R. Iannaccone[16] und
Roger Finke]. Diese Theorie besagt, dass Akteure ihre Handlungen
nutzenorientiert wählen. Annahmen dieser Theorie sind: Der Akteur
handelt rational durch Abwägen von Kosten und Nutzen; es gibt stabile
Präferenzen, die sich weder von Akteur zu Akteur noch zeitlich stark
unterscheiden; soziale Ereignisse sind Ergebnisse von sozialen Interaktionen
zwischen den Akteuren. Nicht nur der Akteur in Form des Gläubigen
handelt nach dieser Theorie nutzenmaximierend, sondern auch religiöse
Organisationen. Sie spezialisieren ihr Angebot von religiösen Gütern, so
dass sie möglichst viele Gläubige anziehen. Diese Theorie wird von vielen
Seiten kritisiert, da beispielsweise zentrale Begriffe der Theorie nicht
genau definiert sind („Kosten“, „Nutzen“), und es ist strittig, ob
kostentheoretisch ausgefeilte Begriffe aus der Betriebswirtschaftslehre auf
religiöses Handeln übertragen werden können.


Religionswissenschaftliche Ansätze 
Die Religionswissenschaft,
die sich in eine Vielzahl von Disziplinen wie Religionssoziologie,
Religionsphilosophie, Religionsphilologie, Religionsgeschichte u. a.
unterteilt, untersucht auf empirischer und theoretischer Grundlage
Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Religionswissenschaftliche
Theorien müssen unabhängig von Glaubensannahmen nachvollziehbar und
falszifizierbar sein. Seit etwa 100 Jahren als eigenständige Disziplin
etabliert, geht sie auf Vorläufer sowohl innerhalb Europas wie auch darüber
hinaus (religionsvergleichende Studien in China und der islamischen Welt)
zurück. In Abgrenzung zur Theologie gehört zur Religionswissenschaft
einerseits die Möglichkeit des Dialoges, aber auch die Option der
Religionskritik.

Nach Clifford Geertz (1973) ist Religion ein kulturell-geschaffenes
Symbolsystem, das versucht, dauerhafte Stimmungen und Motivationen im
Menschen zu schaffen, indem es eine allgemeine Seinsordnung formuliert.
Diese geschaffenen Vorstellungen werden mit einer solch überzeugenden
Wirkung („Aura von Faktizität“) umgeben, dass diese Stimmungen und
Motivationen real erscheinen. Solche „heiligen“ Symbolsysteme haben die
Funktion, das Ethos – das heißt das moralische Selbstbewusstsein einer
Kultur – mit dem Bild, das diese Kultur von der Realität hat, mit ihren
Ordnungsvorstellungen zu verbinden. Die Vorstellung von der Welt wird zum
Abbild der tatsächlichen Gegebenheiten einer Lebensform. Die religiösen
Symbolsysteme bewirken eine Übereinstimmung zwischen einem bestimmten
Lebensstil und einer bestimmten Metaphysik, die einander stützen. Religion
stimmt demnach menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische
Ordnung ab. Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur werden
dadurch objektiviert und erscheinen als Notwendigkeit, die von einer
bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird. Die Glaubensvorstellungen der
Religionen bleiben demgemäß nicht auf ihre metaphysischen Zusammenhänge
beschränkt, sondern erzeugen Systeme allgemeiner Ideen, mit denen
intellektuelle, emotionale oder moralische Erfahrungen sinnvoll ausgedrückt
werden können. Da somit eine Übertragbarkeit von Symbolsystem und
Kulturprozess vorliegt, bieten Religionen nicht nur Welterklärungsmodelle,
sondern gestalten auch soziale und psychologische Prozesse. Durch die
unterschiedlichen Religionen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungen
und Motivationen erzeugt, sodass es nicht möglich ist, die Bedeutsamkeit von
Religion in ethischer oder funktionaler Hinsicht festzulegen.

Jacques Waardenburg bezeichnet die Definition von Religion als ‚Glauben‘ als
ein Produkt westlicher Tradition. Dieser Begriff treffe daher nicht auf die
Vorstellungen anderer Kulturen zu und sei für die Beschreibung von
Religionen eher ungeeignet. Religionen können nach seiner Auffassung als
Bedeutungsgefüge mit darunterliegenden Grundintentionen für Menschen
angesehen werden.

Ein in der Religionswissenschaft gängiger Umgang mit dem Religionsbegriff
ist, Religion als „Offenes Konzept“ zu betrachten, also auf eine Definition
des Religionsbegriffes gänzlich zu verzichten. Diese Auffassung wurde
besonders von dem Bremer Religionswissenschaftler Hans Kippenberg geprägt.


Andere Religionswissenschaftler entwickelten das Konzept der verschiedenen
„Dimensionen“ von Religiosität. Hier sind vor allem Rodney Stark und Charles
Glock zu nennen. Sie unterscheiden in die ideologische Dimension, die
ritualistische Dimension, die intellektuelle Dimension, die Dimension der
Erfahrung, sowie die handlungspraktische Dimension.  Einen ähnlichen
Ansatz vertrat der irisch-britische Religionswissenschaftler Ninian Smart:
auch er entwarf ein multidimensionales Modell von Religion und unterscheidet
dabei sieben Dimensionen: 1. die praktische und rituelle, 2. die
erfahrungsmäßige und emotionale, 3. die narrative oder mythische, 4. die
doktrinale und philosophische, 5. die ethische und rechtliche, 6. die
soziale und institutionale und 7. die materielle Dimension (z. B. sakrale
Bauwerke).

In jüngster Zeit entwickelt sich ein Dialog zwischen einigen Hirnforschern
und Religionswissenschaftlern sowie Theologen, der mitunter als
Neurotheologie bezeichnet wird und sich zunehmend auch mit der Suche von
Biologen nach einer schlüssigen Theorie zur Evolution der Religion
verschränkt.

Naturwissenschaftliche Ansätze 
Verschiedene Hirnforscher suchen
seit 1970 nach neurologischen Erklärungen für verschiedene Typen religiöser
Erfahrungen. Entsprechende Studien wurden etwa publiziert von David M.
Wulff, Eugene d’Aquili, C. Daniel Batson, Patricia Schoenrade, W. Larry
Ventis, Michael A. Persinger, K. Dewhurst, A. W. Beard, James J. Austin und
Andrew Newberg.

Evolutionsforscher wie der Biologe Richard Dawkins und die Psychologin Susan
Blackmore suchen im Rahmen der Theorie der Meme eine naturwissenschaftliche
Erklärung für das Phänomen Religion. Dawkins analysiert 1991 eine Religion
als Gruppe von Ideen und Denkmustern, die sich gegenseitig bestärken und
gemeinsam auf ihre Verbreitung hinwirken (Memplex). Grundlage dieser
Einordnung bildet dabei die Beobachtung, dass durch Religionen Handlungen
und Überzeugungen erfolgreich verbreitet werden können, die außerhalb ihres
religiösen Kontexts sinnlos scheinen oder im Gegensatz zur objektiven
Realität stehen. Voraussetzung zur Verbreitung von religiösen Gedanken sind
laut Dawkins die Bereitschaft zur wörtlichen Weitergabe von Glaubenssätzen
und zur Befolgung der in ihnen kodierten Anweisungen. Er vergleicht diese
Vorgänge mit den Mechanismen, durch die Viren einen befallenen Organismus
zur Weiterverbreitung ihres eigenen Erbguts anregen. In Analogie zu
Computerviren spricht er auch von „Viren des Geistes“.

Auch die Forschungen zur Willensfreiheit bzw. die Annahme einer absoluten
Determination des menschlichen Geistes haben Einluss auf die
Erklärungsversuche hinsichtlich religiöser Vorstellungen und Praktiken.

Speziell die Religionspsychologie bearbeitet die Frage, ob allgemein eine
Korrelation zwischen Religion und Gesundheit bzw. Lebensdauer eines
Individuums besteht. Forschungen in den USA belegen mehrheitlich diese
These, während europäische Studien eine solche Verknüpfung häufig nicht
finden.


Religionsgeschichtliche Theorien 
In der Frühzeit der
wissenschaftlichen Behandlung von Religion waren evolutionistische Entwürfe
vorherrschend, in denen die einzelnen Ereignisse als bloße Etappen
vergleichsweise einfacher, globaler, quasi naturgesetzlicher Entwicklungen
gesehen wurden, etwa bei James Frazer als eine Entwicklung von der Magie
über die Religion zur Wissenschaft. Diese teleologischen Positionen krankten
an unzureichender empirischen Grundlagen, enthielten meist explizite oder
implizite Wertungen und waren vielfach auf den Einzelfall konkreter
religionsgeschichtlicher Ereignisse nicht anwendbar. In der modernen
Religionswissenschaft spielen sie nur noch als Teil der Fachgeschichte eine
Rolle.

In einer geschichtsphilosophischen Betrachtung machte Karl Jaspers eine von
ihm so genannte Achsenzeit zwischen 800 und 200 v.Chr. aus, in der
wesentliche geistesgeschichtliche Innovationen die Philosophie- und
Religionsgeschichte Chinas, Indiens, des Iran und in Griechenland prägten.
Jaspers deutete diese als eine umfassende „Vergeistigung“ des Menschen, die
sich in Philosophie und Religion, sekundär auch in Recht und Technologie
ausgewirkt habe. Mit dieser pluralistischen Interpretation wandte Jaspers
sich vor allem gegen eine christlich motivierte Konzeption einer
Universalgeschichte.

Die Religionen schriftloser Kulturen, häufig als Naturreligionen bzw.
indigene Religionen oder Animismus bezeichnet, wurden aufgrund ihrer
„Primitivität“ lange für die ältesten Formen von Religion gehalten. Auch sie
unterliegen aber historischem Wandel und werden daher als Bezugsgrößen
religionswissenschaftlicher Theoriebildung und nicht mehr im Sinne
unveränderter Traditionen verstanden.

In neuerer Zeit tritt die Religionsgeschichte als Universalgeschichte
gegenüber dem Studium der Geschichte einzelner Religionen oder Kulturräume
zurück. Jedoch finden religionsgeschichtliche Theoriekonzepte wie
Säkularisierung und Pluralisierung wieder verstärkt Beachtung.

Phänomene und religionspezifische Begrifflichkei
Um Religionen
zu beschreiben, haben Menschen, die sich mit Religion(en) beschäftigten,
Kriterien und Begriffe für gefundene Phänomene geschaffen. Viele dieser
Begriffe sind selbst Produkte religiöser Sichtweisen und damit problematisch
für das Beschreiben religiöser Phänomene auf wissenschaftlicher Grundlage.
Dennoch gibt es in vielen Religionen ähnliche Konzepte, die miteinander
verglichen und einander gegenüber gestellt werden können, wodurch ein Ordnen
und Beschreiben von Religionen erst möglich wird.

Theismus und Atheismus 
Hinduistische Darstellung des Göttlichen in seiner Form als
GaneshaReligionen, deren Anhänger mehrheitlich an die eigene Verpflichtung,
nur einem einzigen höchsten Gott ihre Verehrung zu erweisen, glauben, werden
als monotheistisch bezeichnet. Damit ist nicht zwingend eine Leugnung der
Existenz anderer Götter (im wörtlichen oder auch übertragenen Sinn)
verbunden, sondern meist vielmehr ein Werturteil, eine Unterscheidung
zwischen dem einen wahren Gott und den verschiedenen falschen Göttern, womit
vom Anhänger eine „richtige“ Entscheidung gefordert wird (siehe auch: Schirk
im Islam). Religionen hingegen, deren Anhänger sowohl die Existenz mehrerer
Götter annehmen als auch vielen von ihnen eine Bedeutung für bzw. einen
Einfluss auf ihr Leben zugestehen, werden polytheistisch genannt[28].
Vorstellungen, denenzufolge das Göttliche bzw. Gott nicht-persönlich und mit
der Gesamtheit der Welt (dem Universum) identisch ist, werden wiederum
gemeinhin als pantheistisch bezeichnet. Religionen, deren tradierte
Vorstellungen und Riten im Kern nicht auf ein oder mehrere Götter
ausgerichtet sind, können in gewissem Sinn als atheistisch gelten, obgleich
im alltäglichen Diskurs der Begriff Atheismus im Allgemeinen meist den
neuzeitlichen, säkularen Atheismus europäischer Herkunft im Speziellen
meint. Das eine ist vom anderen jedenfalls wesentlich verschieden. Es
existieren aber insofern tatsächlich atheistische Religionen wie z. B. der
Theravada-Buddhismus oder der Jainismus.

Schöpfungsmythen und Kosmologie 
Häufig vermitteln Religionen
eine Vorstellung, wie die Welt entstanden ist, eine Schöpfungsgeschichte und
ein Bild der letzten Dinge, eine Eschatologie. Dazu gehören auch Antworten
auf die Hauptfrage, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht. Zahlreiche
Religionen postulieren ein Dasein nach dem Tod und machen Aussagen über die
Zukunft der Welt. Themen wie Reinkarnation, Nirvana, Ewigkeit, Jenseits,
Himmel oder Hölle, und was letztlich mit der Welt geschehen wird
(Weltuntergang, Apokalypse, Ragnarök, Reich Gottes), sind in vielen
Religionen zentral.


Religiöse Spezialisten 
Die meisten Religionen kennen Seher oder
Propheten, Priester, Prediger, Geistliche, Mönche, Nonnen, Magier, Druiden,
Medizinmann oder Schamanen, die die Religion überliefern, lehren, ihre
Rituale ausführen und zwischen Mensch und Gottheit vermitteln. Manche
Religionen sprechen einzelnen dieser Menschen übernatürliche Eigenschaften
zu. In vielen Religionen sind diese Personen innerhalb einer formellen
Organisation tätig, in anderen unabhängig. Sie werden bezahlt oder üben ihre
Tätigkeit unentgeltlich aus. In einigen Religionen werden die religiösen
Rituale vom Familienoberhaupt durchgeführt oder geleitet. Es existieren auch
Religionen, in denen es keinen autorisierten Vermittler zwischen dem
Übernatürlichen und dem Menschen gibt.

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Religion und Religiosität
Friedrich SchleiermacherInsbesondere im Deutschen wird zwischen Religion und
Religiosität unterschieden. Während Religion das religiöse Denken und die
Organisation bezeichnet, bezieht sich Religiosität auf das subjetive
Erleben. Vor allem in der Romantik wird die innere Haltung des frommen
Individuums betont. Der Theologe Friedrich Schleiermacher schrieb in seinem
Buch Über die Religion (1799): Religion ist nicht Metaphysik und Moral,
sondern Anschauen und Gefühl. Religiöse Aktivitäten, wie Gebet oder
Meditation aber auch die Sinneseindrücke und Symbolik von religiösen
Zeremonien, können zu spirituellen Erfahrungen verhelfen.

Spiritualität und Rituale 
Häufig pflegen Religionen und
Konfessionen eine eigene Art von Spiritualität. Spiritualität – insbesondere
im Christentum – ist das geistliche Erleben, im Gegensatz zur Dogmatik,
welche die festgesetzte Lehre einer Religion darstellt. Das Ritual hingegen
ist durch die Religion formalisierte Spiritualität. Im heutigen westlichen
Sprachgebrauch wird Spiritualität als seelische Suche nach Gott oder einem
anderen transzendenten Bezug bezeichnet, ob im Rahmen von spezifischen
Religionen oder jenseits davon. In einigen Religionen finden sich
Strömungen, deren Anhänger die Begegnung mit der Transzendenz oder dem
Göttlichen in mystischen Erfahrungen finden.

Japanischer buddhistischer MönchZu religiösen Riten gehören unter anderem
Gebet, Meditation, Gottesdienst, religiöse Ekstase, Opfer, Liturgie,
Prozessionen und Wallfahrten. Darüberhinaus zählen beispielsweise auch im
Alltag gelebte Frömmigkeit wie das Geben von Almosen, Barmherzigkeit oder
Askese dazu.

Auch einige atheistisch-säkulare Weltanschauungen bedienen sich religiös
anmutender Rituale. Beispielhaft seien hier die aufwendig inszenierten
Aufmärsche und Feiern in sozialistischen oder faschistischen Staaten wie
auch die zumindest zeitweilig in ihnen praktizierten (An-)Führer-Kulte
(siehe auch: Hitler, Stalin, u. a.) genannt. Neuere Forschungen zur
Entstehung des Nationalsozialismus widmen dieser Thematik besondere
Aufmerksamkeit. Die These, dass scheinbar nichtreligiöse Systeme sich
religiöser Formen bedienen, wird wissenschaftlich diskutiert (siehe auch:
Politische Religion, Zivilreligion, Staatsreligion).

Schismen und Synkretismen 
Aufgrund ihrer ideologischen Momente
haben Religionen die latente Tendenz zur Spaltung. Subreligionen sind oft
durch die Abtrennung einer Gruppe aus der ursprünglichen
Religionsgemeinschaft entstanden.

Der Begriff Synkretismus beschreibt das gleichzeitige Ausüben von Praktiken
verschiedener Religionen. Im klassischen Sinne ist er der Versuch, ähnliche
Religionen (wieder) zu vereinen oder die Schaffung einer neuen Religion aus
unterschiedlichen Vorgängern zu initiieren.

Seit der Aufklärung wird – vor allem im westlichen Kulturkreis – zwischen
institutionalisierter Religion und persönlicher Haltung zum Transzendenten
unterschieden. Hierdurch wird die individuelle Ausformung der Religiosität
des Einzelnen begünstigt. Danegen gibt es zunehmend stark säkularisierte
Formen von Religion, die sich nur wenig auf den Lebensstil derjenigen
auswirken, die nur zu bestimmten Gelegenheiten religiöse ‚Dienstleistungen‘
in Anspruch nehmen. Zum postmodernen religiösen Pluralismus gehören auch
Ansätze, nach denen Gruppen oder Individuen Ideen, Rituale usw. aus
Religionen und anderen Weltanschauungen, u. a. esoterischen neu
zusammenstellen und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dieses
eklektizistische Vorgehen wird von Vertretern traditioneller Religionen
zuweilen „Patchwork-Religion“ oder „Supermarkt der Weltanschauungen“
genannt.

Religionen in Zahlen 
Die Quellenlage für präzise Aussagen über
die Religionszugehörigkeit weltweit ist äußerst fraglich. Nicht nur die
Erhebungsmethoden unterscheiden sich erheblich, vor allem ist die
Ausgangssituation in den Staaten sehr unterschiedlich. Lediglich über
Staaten, in denen Religionsfreiheit besteht, können relativ exakte Aussagen
gemacht werden. Aber auch dort gibt es eine hohe Varianz, schon hinsichtlich
der Datenerhebung. Unterschiedliche Ergebnisse sind beispielsweise zu
erwarten, je nachdem ob die Aussagen auf behördlich erfasster Zugehörigkeit
zu einer Religionsgemeinschaft oder auf Befragungen beruhen. Regimes, die
keine Religionsfreiheit gewährleisten oder Staaten, die sich offiziell als
atheistisch betrachten, machen ein realistisches Bild fast unmöglich. Hinzu
kommt, dass auch die Weltreligionen sehr heterogen sind: so unterscheidet
sich beispielsweise das Christentum in afrikanischen Ländern von dem in
skandinavischen in vielen Merkmalen. Zum Judentum werden zumeist auch
diejenigen gerechnet, die sich als Agnostiker oder Atheisten verstehen, zum
Christentum in Deutschland alle Kirchensteuerzahler, auch wenn sie nicht
gläubig sind. Unschärfen entstehen u. a. auch, weil Kinder und Jugendliche
der Religion ihrer Eltern zugerechnet werden, jedoch sich selbst nicht
unbedingt dieser Religion angehörig fühlen.  Für einzelne Staaten mit
ausgewiesenen statistischen Systemen lassen sich genauere Angaben machen,
die aber nicht ohne weiteres miteinander vergleichbar sind.

Die Welt: vorherrschende Religionen nach StaatenStatistik A – Religionen der
Welt – Zugehörige

Christentum (2,1 Milliarden)
Islam (1,3 Milliarden)
Säkulare, Nichtreligiöse, Agnostiker und Atheisten (1,1 Milliarden)
Hinduismus (900 Millionen)
Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
Buddhismus (376 Millionen)
Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
Sikhismus (23 Millionen)
Judentum (15 Millionen)
Spiritismus (15 Millionen)
Bahai (7 Millionen)
Jainismus (4,2 Millionen)

Religionen in EuropaStatistik B – Religionen der Welt – Zugehörige (Quelle:
David B. Barrett[39])

Islam (1,313 Milliarden)
Römisch-Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
Hinduismus (870 Millionen)
Nichtreligiös (769 Millionen)
Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
Protestantische Kirchen (376 Millionen)
Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
Anglikanische Christen (80 Millionen)
Buddhismus (379 Millionen)
Sikhismus (25 Millionen)
Judentum (15 Millionen)
Ethnoreligionen (256 Millionen)
Atheismus (152 Millionen)
Afrikanische Religionen (100 Millionen)
Neue Religionen (108 Millionen)
Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.

Statistik C – Religionen in Deutschland – Zugehörige (Quelle:
Religionswissenschaftlicher Medieninformationsdienst e. V.

Konfessionslos, ohne Angabe (27,8 Millionen oder 33,7 %), Stand: 12/2004
Römisch-Katholische Kirche (25,685 Millionen oder 31,2 %), Stand: 31/12/2006
Evangelische Landeskirchen (25,386 Millionen oder 30,8 %), Stand: 31/12/2005
Islam (gesamt: 3,3 Millionen), Stand: 2006
Neuapostolische Kirche (0,37 Millionen), Stand: 31/12/2006
Judentum (gesamt: 0,21 Millionen), Stand: 12/2004
Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen), Stand: 12/2004
Jehovas Zeugen (gesamt 0,165 Millionen), Stand 12/2006
Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen), Stand: 12/2004
Nach der 15. Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2006 glauben 30 % der befragten
deutschen Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 24 Jahren an einen
persönlichen Gott, 19 % an eine überirdische Macht, während 23 % eher
agnostische Angaben machten und 28 % weder an einen Gott noch eine höhere
Macht glauben.

Religion und Ethik 
Bibel aus dem 16. Jhd. – viele Religionen kennen Heilige Schriften, in
welchen ethisches Verhalten festgelegt und über die Schrift weitergegeben
wird.Zahlreiche alte Religionen hatten den Anspruch, menschliches
Zusammenleben durch Gesetze zu regeln. Die meisten Religionen der Gegenwart
haben ein ethisches Wertesystem, dessen Einhaltung sie fordern.

Dieses System von Wertvorstellungen umfasst Ansichten darüber, was richtig
und falsch und was gut und böse ist, wie ein Angehöriger der jeweiligen
Religion zu handeln und teilweise wie er zu denken hat. Dem liegt zumeist
eine bestimmte Auffassung über die Welt, die Natur und die Stellung des
Menschen zugrunde. Obgleich sich diese Anschauungen historisch wandeln,
stehen hinter solchen religiösen Pflichten in fast allen Religionen ähnliche
ethische Prinzipien. Diese sollen das konfliktarme Miteinander der
Mitglieder der Religionsgemeinschaft regeln, die Gesellschaft und zum Teil
die Politik im Sinne der Religion beeinflussen und die Menschen individuell
dem jeweiligen religiösen Ziel näher bringen. Zudem bieten sie für den
Einzelnen einen moralischen Rahmen, der ihn psychisch und physisch
stabilisieren kann, zu individueller und kollektiver Hilfsbereitschaft
anhalten oder sogar zu gesellschaftlichen Verbesserungen beitragen kann.

Alle Weltreligionen und die meisten kleineren Religionen fordern
Barmherzigkeit von ihren Mitgliedern. So ist im Islam z. B. vorgeschrieben,
dass jeder einen festen Anteil seines Einkommens für soziale Zwecke spenden
soll(Zakat). Im christlich geprägten Mittelalter hat die Römisch-Katholische
Kirche Universitäten und Schulen gegründet, Hospitäler und Waisenhäuser
unterhalten und für die Armenspeisung gesorgt. Ein Aspekt von Religion kann
der Frieden stiftende sein, der in den meisten Religionen durch besondere
Vorschriften über Mitgefühl, Vergebung oder sogar Feindesliebe Ausdruck
findet.

In einigen Religionen sollen diese moralischen Gesetze der jeweiligen
Überlieferung nach direkt dem Religionsstifter von der entsprechenden
Gottheit überbracht worden sein und somit höchste Autorität besitzen.
(Offenbarungsreligionen). Nach dieser Vorstellung sollen sich auch weltliche
Herrscher den jeweiligen ethischen Anforderungen beugen. Gehorsam wird
jeweils unter Androhung von diesseitigen oder jenseitigen Strafen gefordert
oder als einziger Weg zum Heil dargestellt.

Häufig existieren noch weitere Regeln, die nicht direkt vom Stifter der
Religion stammen, sondern aus den heiligen Schriften und anderen
Tradierungen der jeweiligen Religion abgeleitet werden (z. B. Talmud,
Sunna). Einige dieser Normen verloren im Laufe der historischen Entwicklung
für viele Gläubige ihren Sinn und wurden in einigen Fällen den sehr
unterschiedlichen Wertesystemen der entsprechenden Zeit angepasst. (Vgl.
Reformjudentum.)

Wie in allen Weltanschauungen, gibt es auch in den Religionen einen
Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung.
Während Machtmissbrauch und andere Missstände im Mittelalter und der frühen
Neuzeit häufig zu Schismen und religiösen Erneuerungsbewegungen führten,
haben sie gegenwärtig vielfach eine Abkehr von der Religion insgesamt zur
Folge. Parallel zu Reformbestrebungen, kommt es aber auch zu
fundamentalistischen religiösen Interpretationen und Praktiken, die bis hin
zu terroristischen Aktivitäten mit pseudoreligiöser Begründung reichen.

Pedro Berruguete (1475) Autodafé unter Vorsitz des Hl. DominikusDie stärkste
Form des Versagens ethischer religiöser Normen stellen Religionskriege und
andere Gewalttaten dar, die mit religiösen Auffassungen begründet werden.
Dies werten Gläubige zumeist als Missbrauch ihrer Religion, während
Religionskritiker von einer allen Religionen immanenten Tendenz zu
Fanatismus und Grausamkeit ausgehen. Überdies ist umstritten, ob diese
Geschehnisse notwendige Folge von Religionen sind.

Die Römisch-Katholische Kirche war für die Inquisition verantwortlich.
Andere Verbrechen im Namen der christlichen Religion waren die Kreuzzüge,
die Hexenverfolgung, die Judenverfolgung, Gewalttätige Formen der
Missionierung oder religiös vebrämte, eigentlich politische Gräueltaten, wie
die Tötung zahlreicher so genannter Indios, Angehöriger Indigener Völker
Südamerikas während der Eroberung und in der Neuzeit teilweise die
Unterstützung von Diktaturen und die ambivalente Rolle der Kirchen in der
Zeit des Nationalsozialismus. Der Kirchen- und Religionskritiker Karlheinz
Deschner hat in seinem auf zehn Bände angelegten Werk Kriminalgeschichte des
Christentums eine Fülle historischen Materials zu diesem Thema ausgewertet
und kommentiert.

Auch in jüngerer Zeit sind Gewalttaten partiell mit Religion verbunden: So
sind seit der islamistischen Revolution von 1979 in Iran tausende von
Menschen wegen so genannter Verbrechen gegen die Religion inhaftiert,
gefoltert und oft sogar hingerichtet worden. Frauen werden systematisch
benachteiligt und schon wegen einer Nichteinhaltung von
Bekleidungsvorschriften bestraft. Wegen so genannter moralischer
Verfehlungen werden sie – wie auch (sehr viel seltener) Männer – legal
öffentlich gesteinigt. Religiöse Minderheiten wie die Baha'i aber auch
Homosexuelle und politische Dissidenten werden strafrechtlich und von den
„Religionswächtern“ verfolgt. Ein anderes Beispiel ist das christliche
Namibia. Dort kam es in den 1990er Jahren zu Gewalttätigkeiten gegenüber
Homosexuellen, die von religiösen Autoritäten und von Mitgliedern der
Regierung für eine langdauernde Dürre verantwortlich gemacht wurden. In
Indien gibt es zunehmend Ausschreitungen von radikalen Hindus, vor allem
gegenüber Muslimen.

Ethik der drei großen Offenbarungsreligionen 
Die praktizierte
Ethik im Judentum, Christentum und zum Teil auch im Islam unterscheidet sich
unter anderem dadurch, ob die jeweilige Religion mit einem weiten
individuellem Denk- und Handlungsspielraum, traditionell oder
fundamentalistisch ausgelegt wird. Auch innerhalb der einzelnen Religionen
gibt es unterschiedliche Schulen, welche die jeweilige Morallehre
verschieden interpretieren und anwenden. So gibt es z. B. im Christentum
Strömungen, die das Alte Testament aufgrund der darin sehr gewalttätig
wirkenden Gottheit gering schätzen.

Die drei bedeutendsten Offenbarungsreligionen verbindet in ihren ethischen
Systemen der Gedanke an eine Endzeit, allerdings ist das Judentum weniger
jenseitsbezogen als die beiden anderen Religionen. Dieses lineare
Verständnis von Zeit bedeutet, dass die Gläubigen im Diesseits nach den von
ihrer Gottheit geforderten Regeln leben, um den Lohn dafür in einer späteren
Zeit zu erhalten, wobei Gott auch im Diesseits schon wirken kann. Allerdings
wird im Protestantismus zumeist die göttliche Gnade für ausschlaggebend
gehalten, auch unabhängig von der Befolgung moralischer Postulate. Judentum
und Islam haben mehr Rechtscharakter und ein umfassenderes System von
rituellen Ge- und Verboten als das Christentum, was sich z. B. im
hebräischen Wort für Religion, Torah (Gesetz), widerspiegelt. Ähnlich wie im
Hinduismus gibt es genaue Anweisungen, wie die Handlungsweisen in der Gruppe
sein sollen. In den christlichen Religionen sind heute, anders als im
Römisch-Katholischen Mittelalter, u. a. durch Interpretationen biblischer
Überlieferungen von Aussagen ihres Stifters, neuplatonische Einflüsse und
Auswirkungen der Aufklärung in vielen Strömungen weniger rituelle Ge- und
Verbote vorgegeben.

Jüdische Ethik
Thora – Darin sind insgesamt 613 Thora-Gebote enthalten.Grundlegend für die
jüdische Ethik sind die Thora, der Hauptteil der hebräischen Bibel, der
Talmud – besonders die in ihm enthaltenen Pirkej Avot sowie die Halacha, ein
seit 1500 Jahren stetig weiterentwickeltes Korpus von rabbinischen Aussagen.
Auch heute noch wird die jüdische Ethik durch Äußerungen von Rabbinern der
verschiedenen Richtungen des Judentums weiterentwickelt.

Zentral für die jüdische Ethik ist eine Stelle über die Nächstenliebe aus
Levitikus (3. Buch Mose) 19, 18, die in deutscher Übersetzung etwa lautet:
„Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du“. Weite Teile des Talmud und auch
vieles in der Thora sind Erläuterungen zur konkreten Umsetzung dieser
Nächstenliebe.

Die jüdische Ethik ist ein zentraler Teil der jüdischen Philosophie.
Insgesamt lässt sich keine allgemeine „jüdische Auffassung“ zu
zeitgebundenen ethischen Fragen erkennen.

Christliche Ethik
Die christlichen Hauptrichtungen (Orthodoxe, Römisch-katholische und
Protestantische Kirche) – wie auch andere christliche Gemeinschaften –
fordern, dass der christliche Glaube mit einer moralischen Lebensführung
verbunden wird. In der Theologie wird zwischen theoretischer Ethik und ihrer
Umsetzung unterschieden. Es gibt gewisse Überschneidungen mit der biblischen
Ethik, jedoch ist das Feld christlichen Ethik weiter gefasst.

In der christlichen Ethik existieren vorrangig zwei theoretische Positionen:
der christlich teleologische Ansatz und der deontologische, d. h. die
Pflichtenlehre, wobei häufig beide mit unterschielicher Gewichtung
miteinander verbunden werden. Die Teleologie erörtert die Frage nach dem
Sinn und Zweck, z. B. nach dem „Guten“, „Wahren“ oder nach dem „Ende“, das
Christen erstreben sollen (in einigen christlichen Konzepten ist dies die
„Vereinigung mit Gott“), während die christliche Deontologie Moral als
Pflicht begreift, Gesetze oder andere religiöse Verordnungen zu erfüllen,
vor allem die aus dem attestamentlich-jüdischen Glauben übernommenen Zehn
Gebote.

Islamische Ethik
Die erste Sure al-Fatiha
Die Ethik im Islam ist ähnlich wie im Judentum sehr stark an Gebote für fast
alle Lebensbereiche gebunden. Der Koran gibt genaue Anweisungen für die
Handlungen des Einzelnen in der Gruppe. Wichtig für den Islam ist eine
kollektive Verantwortung für Gut und Böse. Dies wird beispielsweise in der
Anweisung al-amr bil ma’ruf wa n-nahi an al-munkar (das Gute befehlen und
das Schlechte verbieten) deutlich. In Folge besteht die Möglichkeit
einer unumschränkten Befehlsgewalt der Gemeinschaft (siehe auch Hisba und
Hisbah). Der Islam geht in seinen Hauptrichtungen Sunna und Schia von der
Prädestination (Vorherbestimmung) aus, die dem Individuum nur begrenzten
Handlungsspielraum zugesteht. In fundamentalistisch ausgerichteten Staaten
hat die Scharia als islamisches Recht eine wesentliche Bedeutung.

Ethik „östlicher Religionen“ 
Buddhafigur aus Indien – viele Religionen kennen die verehrende Verwendung
religionsspezifischer Gegenstände.Religionen wie der Buddhismus, der
Hinduismus oder auch der Daoismus stellen ebenso ethische Anforderungen, wie
unter anderem die Überwindung von Hass, Habgier, Lüge und besonders
Gewaltlosigkeit. Dabei werden die Regeln an einer angenommen kosmischen
Gesetzmäßigkeit bzw. einem Weltprinzip ausgerichtet (z. B. Dharma im
Hinduismus und im Buddhismus, Dao im Daoismus). Dieses kosmische Weltprinzip
umfasst ethische Vorgaben für jedes Individuum. Von den Anhängern wird
erwartet, die Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu erkennen und entsprechend zu
handeln. So existieren Tötungsverbote, die sich teilweise auch auf Tiere
beziehen.

Abweichendes Verhalten wird in solchen Religionen weniger von der
Religionsgemeinschaft sanktioniert, sondern soll vor allem negative
Konsequenzen für das Individuum in einer der nächsten Existenzen nach sich
ziehen, so besagen Vorstellungen im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus
über Karma und Wiedergeburt (Samsara). Im Daoismus und chinesischen
Buddhismus äußern sich diese Konsequenzen beispielsweise in daoistischen
bzw. buddhistischen „Höllen“, wo grausame Strafen auf Missetäter warten.

Die populäre Annahme, dass „östliche Religionen“ bedingt durch ihre Ethik
weniger zu Gewalt neigen, kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden, da
Gewalt eher von den jeweiligen Machthabern und dem aufgebrachten Mob
ausgeht, als von den religiösen Autoritäten selbst. Religiös motivierte
Gewalt, wie aus der Kreuzzugs-, Conquista- und Missionierungs-Historie im
christlichen Kulturkreis oder im Rahmen der islamischen Expansion bekannt,
tritt jedoch im Kulturkreis östlicher Religionen seltener auf.

Ethik indigener Kulturen 
Indigene Kulturen, die auch als
„Naturvölker“ oder „Stammeskulturen“ bezeichnet werden, weisen häufig
Moralsysteme auf, welche die Gemeinschaft schützen sollen. Da nur durch ein
funktionierendes Sozialbewusstsein das Überleben der Gruppe gesichert werden
kann, bildet die Übung prosozialen Verhaltens den Schwerpunkt mündlich
weitergegebener Überlieferungen. Im Mittelpunkt der Religionen indigener
Völker stehen Rituale zur Beeinflussung übermenschlicher Mächte bzw. von
Naturgewalten.

Religion in der Neuzeit 
Im Gegensatz zu den mittelalterlichen
christlichen Gesellschaften, in denen fast die gesamte Lebenswirklichkeit
unter der Autorität der Religion stand, verlor die institutionalisierte
Religion in der Neuzeit zunehmend an Machtfülle. Anstelle der Theologie
errangen die Natur- und Geisteswissenschaften Autorität, beispielsweise in
Fragen zu Evolution oder Ethik/Recht, Bereichen die zuvor der Religion
unterstanden. Die Tendenzen hin zu einer Trennung von Kirche und Staat
werden als Säkularisierung bezeichnet. Erklärungsversuche für dieses
Phänomen beziehen sich oft auf die Ideen des Humanismus, der Aufklärung, die
Industrielle Revolution, die allmähliche bzw. durch eine Revolution
hervorgerufene Überwindung des Ständestaates und den damit verbundenen
ökonomischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Wandel.[46] Der Wandel
umfasst alle gesellschaftlichen Felder, so auch das der verfassten Religion,
welche sich ebenfalls ausdifferenzierte, einerseits Gewaltpotential und
Unduldsamkeit zeigte, andererseits pluralistischer auftrat und vielfach mehr
Toleranz aufbrachte.

Die abnehmende materielle und geistige Macht der großen christlichen
Kirchen, die Nietzsche Ende des 19. Jahrhunderts mit den Worten „Gott ist
tot“ kommentierte, wurde und wird von einigen religiösen Denkern bemängelt.
Sie argumentieren, durch das Schwinden des Einflusses der Religion würden
ethische Standards reduziert und der Mensch zum Maß aller Dinge gemacht.
Unter der Devise „Ohne Gott ist alles erlaubt“, könnten destruktive
Handlungen und nihilistisches Denken gefördert werden. Für solche Folgen
gibt es allerdings keine eindeutigen Hinweise.

In Europa verlor das Christentum seit dem späten 19. Jahrhundert
hinsichtlich seiner Reputation, seines gesellschaftlichen und politischen
Einflusses und seiner Verbreitung beschleunigt an Bedeutung. Einige
traditionell christliche westliche Länder verzeichnen sinkenden
Klerikernachwuchs, Verkleinerung der Klöster und ein Anwachsen von
Kirchenaustritten oder andere Formen von Distanzierung.

Besonders in Frankreich, wo durch die Revolution 1789, den Code Civil 1804
und Anfang des 20. Jahrhunderts durch das Gesetz zur Trennung von Religion
und Staat ein strikter Laizismus umgesetzt worden ist, ging der
gesellschaftliche Einfluss der Katholischen Kirche zurück. In den
meisten Ostblockstaaten konnte eine öffentliche religiöse Betätigung zu
gesellschaftlichen Benachteiligungen führen. Daher war der Anteil der
sichtlich praktizierenden Mitglieder von Religionsgemeinschaften
vergleichsweise gering. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist eine
ambivalente Entwicklung festzustellen. Während in den Neuen Bundesländern
die organisierte Religion weiterhin nur eine marginale Rolle spielt, ist sie
beispielsweise in Polen tief verwurzelt.

Zahlreiche Studien belegen rückläufige Besucherzahlen in Kirchen, Synagogen
und anderen religiösen Einrichtungen, z. B. in Großbritannien, Deutschland
und Frankreich, obwohl die Kirchen hier Umfragen zufolge weiterhin zu den
anerkannten öffentlichen Einrichtungen zählen. In den meisten europäischen
Staaten waren 2005 jedoch noch mehr als 50 % der Einwohner Mitglieder einer
christlichen Kirche. In Polen, Irland, Spanien und Italien gilt die
katholische Kirche, der jeweils mehr als 80 % der Bewohner angehören, als
politisch einflussreich.[49] In vielen europäischen Ländern ist es nach wie
vor üblich, zumindest formell einer Religion anzugehören. Seit einigen
Jahrzehnten, verstärkt seit dem Ende des letzten Jahrtausends wenden sich
vor allem junge Menschen häufiger wieder institutionalisierten oder anderen
religiösen Ausdrucksformen zu.

Im Gegenzug zur Säkularisierung in Europa gewinnen, insbesondere Islam und
Christentum aber auch der Buddhismus, in der übrigen Welt partiell an
Bedeutung. In den USA und Lateinamerika etwa stellt die Religion nach wie
vor einen wichtigen Faktor dar. Im 20. Jahrhundert ist in Afrika der
Einfluss des Christentums und des Islam erheblich gewachsen. In der
arabischen Welt ist der Islam zunehmend das prägende Element der
Gesellschaft. Auch in der China erlebt die Religion seit der Lockerung
entsprechender Verbote wieder einen moderaten Aufschwung.

Neuere Forschungen verweisen darauf, dass in zeitgenössischen Gesellschaften
statistisch nachweisbar ein Zusammenhang zwischen Demografie und Religion
besteht. Die Kinderzahl in religiösen Gemeinschaften ist zum Teil erheblich
höher als die in der eher säkular geprägten Gesellschaften. Beispiele
hierfür sind die Geburtenraten der türkischstämmigen Familien in
Deutschland, die zum zumeist dem sunnitischen Islam angehören,
evangelikale christliche Gruppen in den USA und zunehmend auch Europa und
Angehörige des orthodoxen Judentums in Israel. Dieses Phänomen wird
gegenwärtig auf dem Hintergrund der Probleme einer wachsenden
Weltbevölkerung nicht nur positiv, sondern auch negativ bewertet.

In den meisten Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen wurde das Recht auf
Religionsfreiheit inzwischen gesetzlich verankert, aber nicht unbedingt im
Alltagsleben verwirklicht. Allerdings gibt es noch zahlreiche Länder, in
denen keinerlei Recht auf freie Wahl der Religion besteht, so z. B.
Saudi-Arabien und Nord-Korea oder in denen der Handlungsspielraum religiöser
Individuen und Gruppen eingeschränkt ist. Demgegenüber gewähren die USA
praktisch jeder Gemeinschaft, die sich selbst als religiös bezeichnet, den
Status einer religious community mit entsprechenden Rechten.